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Wetterbesprechung 01.12. bis 03.12.2017

December 01, 2017 12:02AM
Lieber Turnierspieler,

das Jahr wendet sich dem Ende zu, der letzte Monat hat begonnen und auch der Winter ist meteorologisch nun angekommen. Der erste Satz mag jetzt etwas depressiv klingen. Tatsächlich ist er so aber gar nicht gemeint. Ganz im Gegenteil, denn der Winter ist eine der spannendsten Tippjahreszeiten, die das Kalenderjahr zu bieten hat. Im Winter kann man an manchen Wochenenden den Modellen noch ein richtiges Schnippchen schlagen. Man darf gespannt sein, was er uns in diesem Jahr so bieten wird.

Spekulieren ist allerdings nicht meine Stärker, das überlasse ich dann doch lieber Herrn Dominik Jung, der am 29.11. tatsächlich schon das Weihnachtsfest prognostiziert hat. Wie dies angesichts der großen mittelfristigen Streubreite überhaupt ansatzweise möglich ist, bleibt hingegen fraglich. Aber zum Glück gibt es ja die Statistik, demnach sind „[…]der Norden und die Mitte und damit auch die Region Leipzig erst wieder 2020 mit Schnee zur Bescherung dran.“ (Quelle: Leipziger Volkszeitung, Dominik Jung).

Lassen wir diese Spielerei und konzentrieren uns auf das wirkliche Wetter. Die aktuelle Witterungsperiode lässt sich ohne größere Probleme als (vor)winterlich einstufen. Ein umfangreicher und breit aufgestellter Trog hat große Teile von Nord- und Mitteleuropa und damit auch Deutschland voll im Griff. Angereichert mit massiver Höhenkaltluft, gab es somit auch bis in tiefe Lagen schon die eine oder andere Schneeflocke zu beobachten. Im höheren Bergland … so ab 400 m … ist das Landschaftsbild oftmals schon tief winterlich. Die Grafik zeigt die assimilierten (SNOW4-Modell) und gemessenen Gesamtschneehöhen von Donnerstagmorgen.



Was nun am Wochenende daraus wird und ob man auch in tiefen Lagen auf einen weißen ersten Advent hoffen darf … dazu jetzt mehr im Detail.

Ausgangslage am Freitag
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Höhenströmung. Der breit aufgestellte und mit hochreichender Kaltluft angereicherte Trog wurde bereits angesprochen. Es lassen sich quasi zwei Schwerpunkte in Form von eigenständigen Höhentiefs ausmachen.

Da wäre zum einen ein Tief über dem Baltikum, dass auch in Bodennähe ein Pendant findet. Der Ursprung dieses Tiefs war über Norditalien. In den vergangenen Tagen wurde das Tief schließlich auf der Vorderseite eines Kurzwellentroges nach Norden geführt … auf einer Vb-ähnlichen Zugbahn. Deutschland hat davon nur am Rande etwas mitbekommen. Immerhin hat es für intensivere Schneefälle am bayerischen Alpenrand gereicht, die durch WLA und damit Aufgleiten induziert wurden. Auch über Teilen von Österreich haben die Schneefälle bis in tiefe Lagen für die erste Einwinterung gesorgt.

Das zweite Höhentief ist von BeNeLux und Westdeutschland aus nach SW-Deutschland, Schweiz und Südostfrankreich gewandert. Anders als bei Höhentief 1 lassen sich am Boden kaum Strukturen finden, weshalb der Zentaleuropaausschnitt der Analyse auch keinerlei Fronten enthält. Letztlich kann man das Höhentief gut und gerne als Kaltlufttropfen bezeichnen. Die Temperatur in 500 hPa liegt zwischen -34 und -38 Grad, mit den tiefsten Werten im Südwesten. Nicht überraschend werden als Folge immer wieder Schauer ausgelöst. Diese bringen zwar keine großen Mengen … dafür ist die Luftmasse einfach zu trocken … aber für den ein oder anderen Zentimeter kann es hier und da reichen. Ganz in den Niederungen ist es aber tagsüber zu warm.

Je weiter man nach Norden und Osten kommt, profitiert man von einem Höhenkeil, der gepaart mit der geringeren Höhenkaltluft die Schauertätigkeit eher unterdrückt, vor allem in der zweiten Tageshälfte. Sonnenschein bleibt allerdings Mangelware. Gerade im Großraum Leipzig könnte man aber etwas mehr Glück haben und auch Richtung Österreich dürfte ein wenig Sonnenschein mancherorts auf der Tagesordnung stehen.

Die Maxima bleiben dabei frühwinterlichen Niveau mit 0 bis 4 Grad auf Deutschlandsicht und Dauerfrost oberhalb etwa 400 m.

Die Nacht auf den ersten Turniertag bringt dann kaum noch nennenswerten Niederschlag. Das liegt vor allem daran, dass sich das Höhentief weiter nach Süden verschiebt und sich damit allmählich stärkeres Absinken bemerkbar macht. Bei windschwachen Verhältnissen zeigen die verschiedenen Modelle (mal GFS ausgenommen) über der Mitte und dem Osten allerdings weiterhin recht dichte tiefe Bewölkung. Damit wird die Auskühlung gebremst. Weiter nach Süden und Westen dürften sich aber verstärkt Auflockerungen zeigen, dann ist auch Nebel möglich. Berlin wird wohl recht sicher unter dichte Wolken bleiben, bei Leipzig ist dies aber nicht so klar, sodass auch das Minimum noch vage ist.




Der Samstag:

Im Süden befindet sich weiter ein Teil des Höhentiefs, allerdings steigt die Temperatur in 500 hPa in Vergleich zu den Vortagen an und die Labilität nimmt ab. Somit kommt auch die Schauertätigkeit zum Erliegen. Es bleibt quasi in allen Turnierstädten trocken.

Nach einer oft kalten Nacht besteht im Süden durchaus die Chance von längerem Sonnenschein. Es gibt aber auch Hinweise, dass sich nächtliche Nebel- und Hochnebelfelder halten können. Die Luftdruckgegensätze sind nur gering.
Diese Problematik kommt insbesondere auch in den deutschen Turnierstädten zum Tragen. So erstreckt sich in zonaler Ausrichtung ein Bodenhochkeil über die Mitte des Landes.
Schaut man auf die Prognosesoundings so findet man eine feuchte Grundschicht und Sättigung bis etwa 850 hPa. Darüber folgt eine –wenn auch nicht stark ausgeprägte – Inversion und anschließend trockenere Luftmassen. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass insbesondere in Leipzig, aber vielleicht auch in Berlin ein eher grauer Tag zu erwarten ist.

Die Maxima bewegen sich auf niedrigem Niveau nur knapp über dem Gefrierpunkt, bei dichtem Gewölk könnte es selbst mit der 0 Grad Marke mancherorts eng werden. Vielmehr gibt es für den Tagesverlauf allerdings nicht zu berichten.

Interessanter wird es dann allmählich in der Nacht auf Sonntag. Dann kommt die zonal orientierte Keilachse weiter südwärts voran. Damit verstärkt sich das Absinken in den deutschen Turnierstädten und stärkere Wolkenauflockerungen im Nachtverlauf sind die Folge. Als Folge sinkt die Temperatur verbreitet in den Frostbereich. Richtig kalt wird die Nacht dann vor allem im Süden von Deutschland und zum Teil auch in Österreich und der Schweiz. Gerade über Bayern und Baden-Württemberg gibt es verbreitet mäßige Fröste bis -8 Grad. In den Alpen über Schnee ist häufig strenger Frost möglich.

Detailprognose:

Berlin: Wenig Sonne, zum Nachmittag insgesamt steigende Chancen. Windschwach. Aus der Nacht heraus um den Gefrierpunkt, tags um 3 Grad.

Leipzig: Wenig bis gar keine Sonne. Nachts -1 Grad, tags bis 2 Grad, vielleicht auch etwas niedriger. Schwachwindig.

Wien: Zumeist stärker bewölkt. Nachts bis -6 Grad, tags um den Gefrierpunkt. Schwachwindig.

Zürich: Tiefe Wolkenfelder, wenig Sonne oder ganztags dicht. Mäßiger Nordostwind. Minima bei -3 Grad, tags um den Gefrierpunkt.

Innsbruck: Teils freundlich aber mit Werten um 0 Grad kalt. Nachts bis -6 Grad. Schwache Winde.



Der Sonntag:

Dieser Tag wird wohl der spannendste der ganzen Wetterwoche, zumindest wenn man ein Flachlandtiroler ist und in Deutschland wohnt. Der Keil läuft südwärts über Deutschland hinweg, wird aber von kräftiger Warmluftadvektion überlaufen. Somit kann das Frontensystem eines über Nordeuropa befindlichen Tiefs - an der Ostflanke des Blockadehochs westlich der Britischen Inseln – südwärts über Deutschland hinweg laufen.

Über Deutschland ist das Frontensystem schon stark okkludiert, sodass man eigentlich nur noch von einer Okklusion mit Warmfrontcharakter sprechen kann. Gerade die kräftige Warmluftadvektion sorgt für aufziehende mehrschichtige Bewölkung und nachfolgend einsetzende Niederschläge. Die Niederschläge betreffend fuhr GFS in vielen Läufen eher Amok, wenn man mal andere Modelle zum Vergleich betrachtet (ICON, ECMWF). Nun im 18 UTC Lauf scheinen sich aber auch die Amerikaner der allgemeinen Linie anzunähern.

Die Niederschläge sind stärker je weiter man nach Westen kommt, insofern wäre ein Tippwochenende im Rhein-Main Gebiet besonders reizvoll. Dennoch, auch im Osten sollten die Niederschläge nach einer noch weitgehend trockenen und teils sonnigen ersten Tageshälfte übergreifen.

Wie immer in der kalten Jahreszeit ist die Frage, welche Niederschlagsphase zu erwarten ist. Die Hinweise gehen dabei ganz klar in Richtung „Schnee“. Die Vorgeschichte ist optimal und die prognostizierten Feuchttemperaturen dürften bei 0 Grad liegen. Zumindest der Wetterzustand dürfte demnach gesichert sein. Ob man davon auch etwas am Boden wiederfindet ist indes fraglich. Während in Berlin die Flüssigphase nicht weit ist und auch unser SNOW4 nur so um die 1cm vorhersagt, schaut es in Leipzig ein wenig besser aus. Dort können es mit etwas Glück auch mal 2-3 cm werden. Noch besser schaut es indes in Richtung Hessen und Rhein-Pfalz aus. Für das Rhein-Main Gebiet könnte es das erste Mal in diesem Winter eine Schneedecke geben … nicht auszuschließen, dass auch mal bis 5 cm zusammen kommen.

Um die auch die ganze Wahrheit zu erzählen, muss man dazu sagen, dass die von mir beschriebenen Mengen die Obergrenze darstellen und es auch Lösungen gibt, die weniger Schnee zeigen, sodass noch etwas Vorsicht geboten ist. Gerne rechnen die Modelle aufgrund der unterschätzen vorgelagerten Kaltluft die Niederschlagssummen mit Annäherung an den Vorhersagetermin etwas zurück.

Die anderen Turnierstädte bekommen davon am Tage noch nichts mit. Das Frontensystem müsste dann nur noch bezüglich der nächtlichen Niederschlagsmengen berücksichtigt werden. Stattdessen zeigt sich dort auch mal die Sonne

Detailprognose:

Berlin: Zunächst trocken mit etwas Sonne. Nachmittags zunächst Schnee, später Regen. Nachts bei -2 Grad, tags zum Abend Anstieg auf 3 Grad. Allmählicher Windzunahme aus WSW.

Leipzig: Trockene erste Tageshälfte mit etwas Sonne. Nachmittags aufkommender Niederschlag als Schnee. Minima um -3 Grad, tags um 1 Grad.

Wien: Etwas Sonne, vor allem nachmittags. Tags bei 1 Grad, nachts zuvor um -3 Grad. Nachts ein klein wenig Niederschlag und deutliche Windzunahme (Böen).

Zürich: Trocken, aber weiter häufig dichte bewölkt. Nacht auf Montag etwas Schnee. Schwachwindig. Minima bei -3 Grad, tags leichter Dauerfrost.

Innsbruck: Erneut etwas Sonne bei 0 Grad, nachts zuvor bis -8 Grad kalt. Weiter schwache Winde.






Kurzer Ausblick:

Tja … wie geht es nun weiter. Zunächst einmal findet sich in den verschiedenen Modell- und Ensemblelösungen klar ein leichter Temperaturanstieg. Dazu bleibt es unbeständig mit Niederschlägen und der Wind nimmt zu. Es geht also allgemein eher umspektakulär weiter.
Was danach passiert ist hingegen noch völlig offen. Der Spread nimmt deutlich zu und die Modelläufe der vergangenen Tage hatten viel im Angebot. Von einer neuerlichen Rückkehr des Winters bis zur Südwestlage wurde quasi alles schonmal angeboten.

Persönlich interpretiert scheint das Pendel eher in Richtung kalt auszuschlagen, aber wenn man ehrlich und seriös ist, kann man eigentlich noch nichts sagen. Und damit schließt sich der Kreis zu meinen ersten Worten und zum „Meister“ der Langfristvorhersage Domink Jung. 

Prognose ECMWF (beispielhaft für Leipzig)


Allen ein erfolgreiches Tippwochenende und einen guten Start in das Winterturnier. Ich werde mal schauen, ob ich am 1.Advent einen winterlichen Weihnachtsmarkbesuch bei uns in Hanau unternehmen kann. 8-)

Viele Grüße
Marcus









Edited 1 time(s). Last edit at 12/04/2017 07:25AM by Marcus Beyer.
Subject Author Views Posted

Wetterbesprechung 01.12. bis 03.12.2017

Marcus Beyer 107 December 01, 2017 12:02AM

Prima WB - danke u. Gruß aus Potsdam nach OF :-) -oT-

Pfingstochse 31 December 01, 2017 02:46AM

Danke für die schöne und umfangreiche WB!

Mammatus95 40 December 01, 2017 12:10PM

Vielen Dank für die erstklassige WB!

Kaltlufttropfen 42 December 01, 2017 12:26PM

super WB (tu) zu Ibk ..

Meteoclee 51 December 01, 2017 03:09PM

Re: super WB (tu) zu Ibk ..

Mammatus95 51 December 02, 2017 07:49AM

Tendenz von Druckgradient bzw. Geopotenzial

Georg Haas 49 December 02, 2017 09:46PM

In IBK am Sonntagmorgen Schneeflocken

LukasRtM 35 December 04, 2017 07:05AM

In Zürich wurden die Tipps vom letzten WE hochgeladen -ot-

Mammatus95 28 December 01, 2017 03:56PM

Korrigiert ... nun sollte alles passen -ot-

Marcus Beyer 22 December 01, 2017 08:27PM

Vielen Dank für die Frühwinter-Wetterbesprechung!

Heiko 31 December 01, 2017 10:27PM

Sa.-vormittag, Berlin: So ein schöner Sonnenschein! :-) o.T.

Heiko 34 December 02, 2017 10:37AM

leider Tropfen am Nachmittag

Sven/Titisee-Neustadt 36 December 03, 2017 09:41AM

Re: leider Tropfen am Nachmittag

Heiko 32 December 03, 2017 06:28PM

Morgen ordentlich Neuschnee möglich...

Marcus Beyer 46 December 02, 2017 07:47PM

Hanau mit 7 cm :-) Attachments

Marcus Beyer 37 December 03, 2017 02:06PM