Wetterbesprechung 18. bis 20.01.2019

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Dieses Thema enthält 8 Antworten und 7 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Bibertaler Bibertaler vor 1 Monat.

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  • #13250
    Mammatus95
    Mammatus95
    Moderator

    Herzlich Willkommen zur Wetterbesprechung,

    zunächst möchte ich nochmal darum bitten und aufdrängen,
    dass JEDER der im letzten Jahr beim Wetterturnier teilgenommen hat für den Synoptiker des Jahres 2018 abstimmt!

    Eine kurze Mail an den Bibertaler (Alexander-gz(at)gmx.de) zu schreiben mit Favorit & Grund dauert nicht länger als 3 Minuten. Es sollte jeder dafür die Zeit finden.
    Falls Ihr Euch noch nicht entscheiden könnt, könnt Ihr auch nur erst mal ne Mail mit euren aktuellen Favoriten schicken und
    diese gegebenenfalls später nochmal mit einer neuen Mail ändern.

    Weitere Infos zur Abstimmung gibt es hier!

    Meteorologisch war in den ersten drei Wochen des neuen Jahres 2019 bereits einiges in DACH geboten wurden.
    Neben Wind und Regen, vereinzelten elektrischen Entladungen, kam vor allem im Nordstau von Mittelgebirgen
    und Alpen einiges der Weißen-Pracht vom Himmel.
    Wer dachte, dass es in diesem Winter in den Alpen bereits viel geschneit hatte,
    wurde in letzten Tagen eines Besseren belehrt und kam vermutlich aus dem Staunen nicht mehr raus.

    Grund dafür war ein sehr kräftiger blockierender Höhenrücken über dem östlichen Atlantik,
    welcher die Frontalzone(Jet) und die Tiefdruckgebiete weit nach Norden ablenkte.
    Gleichzeitig befand sich vergleichsweise niedriges Potential in mittleren troposphärischen Schichten über Ost/Südosteuropa.
    Womit schlussendlich DACH über fast zwei Wochen in einer nordwestlich bis nördlichen Höhenströmung verblieb
    und immer wieder Tiefdruckgebiete vom Nordatlantik mit feuchter Luft nach Mitteleuropa gelangten.



    Quelle: http://www.wetter3.de</br&gt;

    In folgender Animation der 00 UTC Bodenanalysen ist gut zeitliche Verlagerungen vom Bodenhoch Angela,
    welches den Höhenrücken am Boden vertrat, zu sehen.


    Quelle: http://www.wetterpate.de

    An der Alpennordseite wurde nun die feuchte Luft über 4 Nordstaubereignissen hinweg „ausgefringt“, sodass in Summe erhebliche Schneemengen
    nördlich des Alpenhauptkamms, wie es in den letzten zwanzig Jahren schon nicht mehr der Fall war, zusammen kamen.

    Eindrucksvoll verdeutlicht, welche Schneemengen sich teilweise angesammelt haben,
    der Vergleich von Webcambildern zu Jahresbeginn mit Bildern aus dieser Woche.
    Es folgen nun Webcam Bilder (links vorher/rechts nachher) von der Seegrube
    mit Blick Richtung Süden ins Inntal und vom Jenner am Königsee.
    An der Seegrube ist sogar der Lawinenschutz komplett ein geschneit
    und am Jenner ist die schöne Aussicht erst mal dahin.


    Quelle: https://www.foto-webcam.eu/

    Des Weiteren noch eine Grafik vom Deutschen Wetterdienst welche die Gesamtschneehöhe (Modellanalyse)
    am Dienstag Mittag zeigt und von der Zamg eine Niederschlagsanalyse für den bereits im Januar gefallen Niederschlag.
    In beiden Grafiken ist deutlich zu sehen, dass im Luv deutlich mehr herunter kam,
    teils über 350 mm und das fast ausschließlich als Schnee.


    Quelle: DWD


    Quelle: Zamg

    Wer in der DWD Grafik genauer hin schaut, wird westlich von IBK im Inntal(Telfs) deutlich geringe Schneehöhen erkennen.
    Hier ist die meiste Zeit in den letzten Wochen mehr Regen anstatt Schnee gefallen, somit ist in diesem Bereich jetzt sogar
    teilweise gar keine Schneedecke vorhanden. (Info vom Bibertaler)

    Zum Schluss noch eine Statistisch Einordnung des gefallenen Schnees an einigen Stationen der Nordalpen:

    Quelle: Manuel Oberhuber Twitter

    In den letzten Tage schwächte sich Bodenhoch Angela ab und der Höhenrücken wurde von neuen Trog-Vorstößen nach Süden abgedrängt,
    womit auch die Niederschläge über/an den Alpen nach ließen und eine Entspannung der zeitweise doch
    kritischen Lage sorgte bzw. immer noch sorgt.
    Nun haben aber die Lawinendienste die Möglichkeit die gefährlichsten Stellen durch kontrollierte
    Lawinen Sprengungen zu entschärfen, wie im folgenden Link zu sehen ist:

    Avalanche Suisse

    Cela part gros, très gros lors des déclenchements d'avalanches, exemple ici côté Suisse au-dessus de Grimentz.Demain MERCREDI :L'ambiance reste bien ensoleillée. On trouve au petit matin quelques nuages bas sur l'Ouest de la région ( assez vite dissipés ) et, partout, des nuages élevés plutôt fins mais qui pourront temporairement masquer le soleil. Journée la plus douce de la semaine avec en après-midi +7 à +11 degrés en plaines, +4 à +8 degrés vers 1000 mètres et +2 à +6 degrés vers 2000 mètres. La suite du programme pour les jours suivants a été actualisée :https://www.meteoalpes.fr/bulletin/alpes-du-nord/Bonne soirée ! Crédit vidéo : Laurent Crettenand

    Gepostet von Meteo-Alpes am Dienstag, 15. Januar 2019

    Eine gelungene Analyse/Zusammenfassung findet sich auch hier:
    Klimakrise? Schneemassen in den Nordalpen: Eine Einordnung.

    Freitag:

    Am heutigen Freitag erstreckt sich ein Trog um 12 UTC von der Ostsee über Polen bis nach Slowenien.
    Postfrontal fließt eine vergleichsweise kalte Luftmasse mit -8°C und einer Pseudo-Potentiellen Temperatur von ca. 9°C.
    Zwar hat die Luftmasse einen maritimen Ursprung, da aber in 500hPa die kälteste Luft recht schnell nach Osten transportiert wird,
    hält sich die Labilität als auch die Schaueraktivität in Grenzen.
    Gleichzeitig bildet sich in diesen Minuten ein neues Bodenhoch mit dem Namen BRIGIDA aus,
    womit heute kompensierendes Absinken auf der Trogrückseite über Deutschland stattfindet (ein weiteres Argument gegen auflebende Schneeschauer).

    Somit ist es heute über weite Teile Deutschlands wechselnd Bewölkt wie auch
    wahlweise beim Blick aus dem Fenster oder aufs SatBild feststellen kann.

    Die weitere Wetterentwicklung über DACH am Samstag und Sonntag ist davon geprägt,
    dass wir uns in einem Bereich recht geringer Drängung von Isohypsen in 500 hPa befinden,
    damit auch die Baroklinität/Temperaturunterschiede über DACH gering ausfallen.

    Dafür könnte man unterschiedliche Gründe aufführen oder sich darüber freuen,
    dass dieses Wochenende nach den zuletzt sehr windigen Tagen (11 von 16 Tagen gab es in
    Wien stürmische Böen seit Jahresbeginn (Stand: 16.1. Quelle: Nik)),
    die kommenden Tage deutlich ruhiger mit etwas mehr Sonne ablaufen werden.

    Trotzdem sei noch kurz darauf hingewiesen, dass sich der Jet über dem Atlantik in zwei Äste vor Europa auf teilt.
    Der eine wird in Richtung Mittelmeer gelenkt und der andere verläuft über Skandinavien nach Russland.
    Mitteleuropa verbleibt damit im Isohypsensumpf.
    Dies wiederum führt dazu, dass keine wärmere Luftmasse vom Atlantik uns erreicht.

    So nun zum Samstag: Das schwaches Hoch BRIGIDA verlagert sich nach Osteuropa.
    Sonst findet nix erwähnenswertes in der Atmosphäre über DACH statt.


    Die Vorhersage des Vertikalprofils der Temperatur und Luftfeuchtigkeit für Berlin und Wien verrät uns zu nächst einmal,
    dass es in beiden Städten trocken bleiben sollte. In Berlin sind vor allem die bodennahen Luftsichten sehr feucht.
    Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass in Berlin und Leipzig das Wochenende
    mit dem morgigen Bedeckungsgrad (damit verbunden Sd,Tx,Td) entschieden wird.


    In Zürich und Innsbruck sollte der Samstag freundlich werden. Für Ausfließen in IBK (Bitte korrigiert mich!) spricht,
    dass das etwas höhere Potential als auch leicht niedrigere Temperaturen auf den 850/800 Druckflächen an der Alpensüdseite liegt.
    Für Einfließen eigentlich ein sonniger Tag, aber die Höhe der Sonne und die Schneebedeckung sprechen gegen eine große Wirkung des Tagesganges.

    Sonntag:

    Am Sonntag befinden wir uns in Deutschland im Bodendruckfeld im absoluten Niemandsland.
    Nur über der Schweiz befindet sich ein schwacher Tiefkern,
    der zu einem Tiefdruckkomplex über dem westlichen Mittelmeer gehört.
    Dieser ist aber auch nicht wirklich groß Wetter aktiv.

    In der Höhe dreht der Wind auf einen schwachen Nordwind und damit bleibt die Scherung/Baroklinität auch eher gering.

    In Zürich ist zwischen 800 hPa und 600 hPa die Atmosphäre fast gesättigt. Zwar ist es Bodennah noch recht trocken,
    die MOS-Verfahren haben aber trotzdem erhöhte Niederschlagswahrscheinlichkeiten drin.
    In Berlin und Leipzig soll es (vorausgesetzt man glaubt den Modellen) kein Hochnebel mehr geben,
    dafür aber über Wien. In Innsbruck kälter, sonst unverändert.


    Quelle: profiwetter.ch

    Ich würde mich über Ergänzungen, Verbesserungen, eine lebhafte Diskussion und deutlich mehr abgebende Stimmen sehr freuen!

    Viele Grüße
    Mammatus95

    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Monat von Mammatus95 Mammatus95.
    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Monat von Mammatus95 Mammatus95. Grund: Ergänzungen vom Bibertaler hinzugefügt
  • #13251
    Kaltlufttropfen
    Kaltlufttropfen
    Teilnehmer

    Vielen Dank für Deine klasse WB!
    In Berlin und Leipzig wird man mi 4 mal 0 wohl beastens bedient sein.
    Für Zocker wäre Sonntag eine Wv=4 denkbar… ;-)

    Gruß in die Runde

    Michael

  • #13254

    Hallo Morten,

    danke für Deinen umfassenden Rückblick des Stauereignisses

    und dem der Wetterlage entsprechenden kürzeren aber nicht weniger informativen Ausblick.

    Ja, kaum thront Hoch Angela nicht mehr über England und schon verlieren die Briten vollends den Überblick mit Ihrem

    Brexit …Ein Hoch auf den Käufer des Druckgebildes , da hat sich der Einsatz rentiert.

    Für Sonntag ist die Frage in Zürich, wie viel Niederschlag „unverdunstet“ den Boden erreicht.

    Aber schon ein Krümel als Schneestern oder Griesel zählt.

    Grüße in die Runde

    bin schon gespannt, aus welcher medialen Ecke als erstes der Begriff der „Russenpeitsche“ kommt,

    wenn uns tatsächlich diese Luftmasse am Ende der Mittelfrist erreichen sollte.

     

  • #13256
    Nikosik
    Nikosik
    Moderator

    Hallo Morten,

    vielen Dank für die ausführliche Wetterbesprechung und den Aufruf seine Stimme für den „Synoptiker des Jahres“ abzugeben. Ich habe das schon 2018 gemacht. ;-)

    Viele Grüße
    Niko

  • #13257
    Bibertaler
    Bibertaler
    Moderator

    Servus zusammen,

    Vielen Dank, Morten für deine wunderbare WB, bin auch gespannt, was die Bewölkung udn die Sonne in Berlin und acuh Leipzig macht, der Rest ist ja mehr oder weniger überschaubar.

    Zu Innsbruck, zweimal West bis Nordwest ist denke ich vertretbar. Die Sonneneinstrahlung ist nicht ausreichend, um einen schönen Talwind anzuwerfen und ohne andere Einflüsse bleiben wir auf West, auch wenn aktuell recht trocken Luft ins Inntal einfließt, das wird sich in der ersten Nachthälfte legen, wenn es im Oberland auskühlt, verstärkt durch die verbreitete Schneedecke, wie man in den letzten Tagen von Tirol gehört hat. Ganz Tirol ist ja von Schnee besetzt. Ganz Tirol? Nein, ein kleines Dorf (naja, eine Stadt mit Umland) leistet der Weißen Pracht Widerstand. Wie man der DWD-Neuschneemengenkarte entnehmen kann, hat es vor allem am Alpennordrand und nur an ein paar Stellen weiter in die Alpen hinein größere Mengen gegeben (Karwendel, Arlberg, Tiroler Unterland), vor allem Richtung Stubaier Alpen ist nicht soviel durchgezogen und es gibt auch einen Teil vom Inntal, der aktuell sogar eher grün ist – und zwar rund um die Stadt Telfs (vom Inntal aus gesehen, das Tor zum Fernpass). Dort hat es laut ein paar meiner Bekannten geregnet, während in Innsbruck und östlich davon noch bzw. schon wieder Schnee gefallen ist – mit dem Ergebnis, dass der dort vorher gefallene Schnee Schnee von gestern wurde (siehe Bild unten). Dass es auch mehr sein kann, zeigt die Höttinger Alm auf 1487m an der Innsbrucker Nordkette. Schneehöhen gibt es meines Wissens keine, aber Bilder. Dort ist direkt neben der Alm eine Lawine abgegangen und der Almbetreiber hat nach dem rechten gesehen, die Bilder finden sich auf Facebook, wer sich das einmal anschauen möchte: https://www.facebook.com/H%C3%B6ttinger-Alm-208620002506080/

    Dagegen ist das kommende Wochenende richtig harmlos, aber es gibt trotzdem ein paar interessante Punkte. Mal schauen, was kommt. Wenn die „Russenpeitsche“ kommt – mei dann wird’s hoid a bissl költer ;-) – dann kann man endlich wieder Seifenblasen frieren lassen. Die Tmins machen schonmal gute Hoffnungen.

    Viele Grüße aus dem Winterwunderland
    Bibertaler

     


    Blick vom Patscherkofel nach Nordwesten, Inn aufwärts, rechts die Martinswand am Hechenberg (Wetterstation Magdeburger Hütte ;-) ) mit Zirl im Talboden, links das Plateau mit Axams, gerade voraus die Mieminger Berge und das gleichnamige Plateau – soweit alles weiß – und mittendrin am „Talende“, wo der Inn nach Südwesten abknickt, liegt Telfs im Grünen.

     

  • #13259
    Pfingstochse
    Pfingstochse
    Teilnehmer

    Hallo Morten,

    vielen Dank für diese KLASSE und toll bebilderte Analyse und WB!!! Da steckt echt viel Arbeit drin!!! Meine Stimme zum Synoptiker des Jahres 2018 befindet sich auch im Kasten:-)

    Allen ein schönes WE und beste Grüße aus Teltow….Ralf

  • #13260

    Hallo Bibertaler,

    es ist Winter, es darf ruhig mal frostig werden; mich nervt es nur,

    wenn manche bei – 10° schon von Sibrischer Kälte reden … diese  würde

    ich am liebsten mal bei – 40° aussetzen.

    Liebe Grüße

    Sven

     

  • #13261
    nik
    nik
    Teilnehmer

    Vielen Dank Morten und Alex für die Klasse WB bzw. die interessanten Details aus Tirol!

    Mittelfristig sehen die Wetterkarten spannend aus, an der Arbeit sollte man die nächsten paar Tage mit ruhigem Wetter also genießen… ;)

  • #13262
    Bibertaler
    Bibertaler
    Moderator

    Sven, da geb ich dir vollkommen Recht, deswegen hab ich die ja in “ “ gesetzt. Persönlich kann ich mich auch mit deutlich kälteren Luftmassen anfreunden, das ist viel besser als der Dauerregen von neulich bei +1 bis +3 Grad. Und für Seifenblasen reichen schon -10 Grad aus, ein bisschen drunter wäre aber noch besser (Wishforecast ;-) )

    Viele Grüße
    Bibertaler

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