WB im Walzertakt vom 24. bis 26. Juli 2020

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      BibertalerBibertaler
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      Servus zusammen,

      so, liebe Leute, der Tanz ist vorbei – mit dem heutigen Tag geht Österreich nach dem brutalen Hammer im März mit einem Hämmerchen in die letzten Julitage. Ab heute gilt wieder an viele Orten Maskenpflicht nach einigen Wochen der nahezu Vorcoronanormalität. Vielleicht auch mit dem Hintergrund, dass nun auch in Süddeutschland endlich Sommerferien sind und man einerseits die gewünschten Touristen willkommen heißen möchte, andererseits damit auch wieder viel Bewegung in die gesamte Sache kommt, was uns den Schlamassel ja erst eingebrockt hat. Jetzt liegt es an uns zu zeigen, wie gut unser Rhythmusgefühl ist. Wenn wir den Walzer meistern, der wenn überhaupt dann mit Recht in Österreich mit der Muttermilch aufgesaugt wird, haben wir gute Chancen. Wenn (falls wäre optimistischer, aber eher unrealistisch) wir aus dem Takt kommen, kommt alles durcheinander und man muss womöglich nochmal stoppen und von Neuen beginnen. Und genau das wäre ja gerade schade bei so angenehmen Sommer- bzw. ersten Hundstagen wie diesen. Und wie treffend kann es sein, dass genau in dieser Zeit, an dem heutigen Tag der Heilige Christopherus seinen Namenstag hat – der Heilige der Reisenden. Aber nachdem die Reisen heuer eh kürzer ausfallen als sonst, beschäftigen wir uns doch lieber gleich mit dem Wetter bei uns direkt um die Ecke und damit herzlich Willkommen zur Wetterbesprechung zum Beginn der Hundstage im Naherholungsurlaubsjahr 2020.

      Bodendruckvorhersage für Freitag (links) und Samstag (rechts) 12UTC [Quelle: Wetterpate.de FUBerlin/DWD]


      Aktuelles Satbild gegen Freitag 12 UTC [Quelle: sat24.com]

      Großwetterlage
      Zum Start in die Hundstage fangen wir auch mit den Hoch- und Tiefnamen beim Alphabet ganz vorne an. Ein Ableger des Azorenhochs mit Zentrum gelegen am nordwestlichen Rand der Alpen, mit dem Namen Albrecht verflüchtigt sich langsam aber sicher nach Osten. Ein durchrauschender Trog ist dabei nicht ganz unverantwortlich und zerpflügt Albrecht auf weite Gegenden. Mit ihm verlagern sich auch die schon länger über den Alpen hängenden Frontenreste ebenso nach Osten in Richtung Balkan, sodass sich in den Alpen Schauern oder Gewittern mehr und mehr auflösen. Dagegen finden sich im Norden die drei Damen Anja, Beate und Christiane. Anja beschäftigt zunächst noch Nordskandinavien und teilt sich übers Wochenende auf. Der westliche Part zieht darauf nach Grönland weiter, der östliche nimmt sich auf dem Weg über die Halbinsel Kola noch eine ebensolche und schaut dann, wieviel Eis er dafür am Nordpolarmeer noch zustande bekommt … Spoiler – viel ist’s nicht mehr (mehr unter: https://www.meereisportal.de/meereisbeobachtung/aktuelle-beobachtungsergebnisse-aus-satellitenmessungen/karten-meereisausdehnung-arktisantarktis/). Die glückliche Beate über Südschweden macht die dortigen Schweden und auch die Norddeutschen weniger glücklich. Vor allem im Nordosten fällt hier und da noch etwas Regen. Dieser lässt im Laufe der kommenden Nacht nach, sodass wir „nur“ mit dessen Auswirkungen in unsere turnierrelevanten Parameter starten. Die eigentliche Hauptrolle spielt aber Christiane, die mit ihren Fronten gerade noch über den Britischen Inseln liegend in den kommenden beiden Wochenendtagen über uns hinwegziehen wird. Wie das verlaufen wird und was das für uns im Einzelnen bedeutet, erfahrt ihr nach einer kurzen Unterbrechung, also holt euch nen Tee, machts euch gemütlich, los geht’s  …

      GFS-Geopotential mit Isotachen auf 300 hPa für Freitag bis Montag 6UTC [Quelle: Ertel2.uibk.ac.at, ACINN]

      Wochenendwetter
      Hier könnte ihre WB stehen 😉 bzw. kommt verspätet nach – aber falls du mal selber eine WB schreiben möchtest, dann bist du herzlich eingeladen, dich unverbindlich in unsere WB-Schreiberliste einzutragen: https://doodle.com/poll/khtvccvs2rwr5tc3. Vorgaben gibt’s bis auf in die Liste Eintragen keine. Wir freuen uns über tatkräftige Unterstützung.

      [Einschub: Jetzt folgt der eben versprochene, wenn auch zeitlich verspätete und daher nachgetragene Beitrag]

      Willkommen zurück aus der Werbepause, wenn auch verspätet, aber es gibt nun mal auch kurzfristige Dinge, die vorher erledigt werden müssen. Ich hoffe, euer Tee ist noch warm. Wenn nicht, holt euch nochmal einen neuen.
      Zum Start in die Nacht auf Samstag liegen an den Alpen die alten Frontenreste herum und sorgen für weitere Schauer, die von Westen her auf der Rückseite des durchrauschenden Kurzwellentroges nachlassen. In Zürich ist das bereits zum sehr späten Abend der Fall, in Innsbruck kann es sogar in der zweiten Nachthälfte noch ein bisschen nachtröpfeln; vom Tiroler Unterland bis zum Burgendland halten sie sich bis in den Samstagvormittag hinein. Für Wien sollten diese knapp zu südlich liegen. Es gibt aber auch Modelle mit etwas nördlichere Komponente, in denen es kurz nach 6 UTC noch für Tropfen reicht. Eine Wv6 hat daher durchaus Berechtigung. Im Norden ziehen zuvor die Schauer aus Beates Ausläufern weiter ab. Euro4 wollte bspw. einen Streifschuss für Berlin sehen, ob das mit den aktuellen Schauern vom Münsterland bis zum Randowbruch ausreicht, sei mal dahingestellt. Sonst geht es wechselnd bewölkt, mit überwiegend den unteren vier Achteln, und häufig trocken durch die Nacht.
      Am Samstag macht sich etwas Zwischenhocheinfluss bemerkbar. Die Schauer in den Ostalpen verabschieden sich auf den Balkan, Rückreise nicht nur politisch vorerst ausgeschlossen, und auch die letzten Schauer des COSMO-DE über den Mittelgebirgen klingen ab, bevor es für Berlin oder Leipzig interessant wird. Ganz astrein trocken wäre aber übertrieben. Rund um 700 hPa zeigt sich zum Beispiel im ICON-Sounding für Berlin oder Köln im Westen (siehe Wetterdaten) gewisses Potential für einige Cumuli. Mit etwas orographischer oder einstrahlender Unterstützung reicht es sogar einzelne Schauer auslösen zu lassen. Das EZ ist da recht großzügig mit Schwerpunkt in der für uns weniger interessanten Westhälfte. Für COSMO-DE reicht es nur für die Grenzgebirge zu Tschechien oder UMPL mit seinen Einzelzellen östlich von Harz und Schwarzwald. Ihr seht, es ist einiges möglich. Für die ganz extremen Szenarien kann auch das Super-HD von Kachelmann herhalten. Dass es sie streuselkuchenartig aussehen wird, fällt wohl in den Bereich oberhalb der 95% Perzentile. An sich wird der Samstag aber der freundlichere Tag, mit recht viel Sonne, zudem warmen Temperaturen und eben der ein oder anderen nassen Kurzintervention.
      In der Nacht zum Sonntag, bzw. eigentlich schon am Samstagabend erreicht Christianes Kaltfront den Nordwesten und arbeitet sich bis zum Morgen nach Osten aus. Von Mecklenburg über das Thüringer Becken entlang der Fränkischen und der Schwäbischen Alb kommen bereits zum Frühstück Schauer an, vom Münsterland bis Nordfriesland sind dabei kräftige Schauer, teils mit Blitz und Donner möglich.
      Im Lauf des Sonntages bewässern die Schauer nahezu ganz Deutschland. EZ lässt auch die Schweiz und Österreich nass werden, die Mehrheit sieht aber zumindest Zürich und Wien trocken, sowohl als Wetterzustand, als auch als Niederschlagsmenge, wenn auch nur knapp. In Zürich wäre auch ein 8er am Morgen, in Wien ebenfalls ein 8er, jedoch am Nachmittag, ein mögliches Szenario. In Tirol bilden sich ebenfalls Schauer. Sollte es davor noch genug Sonne geben und erst zum Mittag hin losgehen, können sich diese auch mit Blitz und Donner bemerkbar machen. Sind sie etwas zeitiger dran und eventuell schon am Vormittag, nehmen sie der ganzen Geschichte wohl etwas Energie raus und die 8 bleibt eher wahrscheinlich. Für Berlin und Leipzig bleibt es rund um die Front konvektiv spannend. An derselben sind bereits Schauer und Gewitter aktiv und werden am Vormittag erst Leipzig, kurz später auch Berlin erreichen. Im Laufe des Tages nimmt dann die Gewitterwahrscheinlichkeit zu. Vom CAPE her ist für Berlin bereits am Vormittag genug Energie vorhanden, eine Doppel-9 kann daher genauso drin sein wie eine Doppel-8, oder eine Mischung aus beiden. Stratiforme Meldungen sind zeitweise denkbar, ob am Ende auch ein 6er im Tableau stehen bleiben wird, finde ich eher unwahrscheinlich. Wenn ihr gute Gründe dafür habt, dann können wir gerne im Lauf des Wochenendes darüber diskutieren und nowcasten. Hinter der Front entstehen dann noch weitere Schauer oder Gewitter, die aus der vorgelieferten Feuchte und der Sonneneinstrahlung am Nachmittag profitieren. Sobald letztere wegfällt, lassen auch diese Niederschläge nach und es setzt eine weitere Welle von leichtem Zwischenhocheinfluss ein.

      GFS-2mTemperatur Ensembles für Berlin [Quelle:Wetterzentrale.de]  und rechts das GEFS für Innsbruck (Achtung Modelloberfläche, nicht heruntergerechnet) [Quelle: Ertel2.uibk.ac.at, ACINN]

      Ausblick
      Apropos Welle, bevor wir uns vielleicht in unsere zweite Welle hineinvertanzen, stellt sich die Frage, was wir nach dem kommenden Wochenende bis dahin vor uns haben, also wettertechnisch versteht sich.  Das sich hinter Christiane bildende Tief wandert zum Beginn der kommenden Woche von den Britischen Inseln über die Nordsee weiter nach Osten und beschäftigt vor allem den Norden Deutschlands weiter. Zur Wochenmitte passieren uns dann die nächsten Fronten, sodass zum Mittwoch hin sogar etwas Niederschlag drin ist, was man schön an den Wahrscheinlichkeiten des Innsbrucker GEFS für Niederschlag und Bewölkung sehen kann, und die Temperaturen wieder verbreitet in angenehmere Maße sinken. Doch nur vorübergehend, denn bereits das nächste Tief, das etwas südlicher als ihre Vorgängerinnen liegt, lenkt die Strömung weiter auf Südwest, wobei zeitweise auch mal ziemlich heiße Luftmassen, besonders im Südwesten, einfließen können, die uns dann wohl zum Monatswechsel höllenähnliche Werte bescheren können – mehr dazu gibt’s dann nächstes Wochenende zu Tippen. Insgesamt betrachtet, von den Temperaturen her, stellt sich vorerst passend zu den Hundstagen – die ja astronomisch gar nicht jetzt, sondern erst in einem Monat starten sollten (zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihre Wikipedia) – angenehmes Bade- bzw. je nach Gemüt nervtötendes in-den-Kühlschrank-Umzugs-Wetter ein. Aber liebe Kälteliebhaber, verzagt nicht, es gibt noch Resthoffnung und wie schon die alten Bauern früher vor sich her prophezeiten: Sind an Jakobi (25.7.) die Tage warm, gibt’s im Winter viel Kält‘ und Harm … und in 5 Monaten ist ja schließlich schon wieder Weihnachten. Und bevor ihr jetzt schon an eure Weihnachtsgeschenke denkt, vergesst’s eure Tipps nicht und genießt die Tage, solange wir sie dürfen. In diesem Sinne euch allen ein schönes Wochenende, bleibt’s vernünftig und ganz besonders – gsund.

      Viele Grüße von knapp 80 m unterm Inntal 😉
      Bibertaler

       

      PS: genau vor einem Jahr am 26. Juli schrieb ich: Der ab jetzt zu erreichende Höchstwert liegt bei 42.6°C im Niedersächsischen Lingen – ob sich daran noch was ändert, wird uns der DWD schon noch mitteilen…was sich in einem Jahr doch alles verändern kann.

      • This topic was modified 2 weeks, 4 days ago by BibertalerBibertaler.
    • #15378
      KaltlufttropfenKaltlufttropfen
      Participant

      Vielen Dank für die klasse WB, mal sehen was am Sonntag konvektiv so geht!

      Michael

      P.S.: Das mit Lingen konntest Du am 23.Juli 2019 mit Sicherheit noch nicht schreiben, denn das war erst am 25.! 😉

      • #15380
        BibertalerBibertaler
        Moderator

        Danke dir, auch für den Hinweis… wird Zeit, dass es wieder Winter wird. Wie man bei solchen Temperaturen richtig denken soll, ist mir ein Rätsel 😀 Hab den Text am 26.Juli geschrieben, aber in den Sätzen davor den 23. und 24. erwähnt – und da war der 26. gedanklich schon überschrieben. Ist jetzt der Richtigkeit halber geändert.

        Viele Grüße
        Bibertaler

        • This reply was modified 2 weeks, 4 days ago by BibertalerBibertaler.
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