Goldene Oktober-WB zum WE vom 05.10.-07.10.18

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Dieses Thema enthält 4 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Heiko Heiko vor 2 Monate.

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  • #12805
    Snab_LE
    Snab_LE
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,

    heute habe ich mal wieder das Vergnügen, unser Tippwochenende mit einer WB einzuläuten. Zur Wahl des Thementitels ließ ich mich durch einen Blick nach draußen inspirieren, konnte doch bisher ein idealer Strahlungstag am Leipziger Insitut für Meteorologie verzeichnet werden, bei dem zur Mittagszeit immerhin noch 550W Globalstrahlung einen Quadratmeter horizontaler Erdoberfläche erreichen. Dadurch konnte die Temperatur zur Stunde am LIM über die 20°C-Marke ansteigen und wird wohl heute noch bei 22°C landen. Nach ein paar grauen und zeitweise sehr kühlen Tagen können  die (insbesondere am 23.09.) etwas durchnässten Wiesen wieder ergrünen, sodass es schon fast ein wenig Frühlingsflair hätte, würden die Bäume nicht nach und nach von grün auf orangerote Blattfarben wechseln. Doch bleibt das auch in den kommenden Tagen so? Schaun mer mal:

    LIM-Verlauf

    Zunächst möchte ich heute den optisch sehr sehenswerten Satellitenfilm vom heutigen Freitagvormittag nicht vorenthalten. Er zeigt eine klare Dreiteilung Europas: Zunächst wird der riesige, nach Auflösung örtlicher Nebelfelder komplett wolkenfreie Bereich zwischen der iberischen Halbinsel, Mitteleuropa und dem Balkan sichtbar. Die Bewohner dieses Bereichs verdanken  das goldige Freitagswetter einem umfangreichen Höhenrücken, an dessen Vorderseite ein kräftiges Bodenhoch (Kerndruck von >1030hPa) mit dem schönen Namen „Ulf“ bereits über Südosteuropa liegt, wenngleich die Isobaren bis nach Frankreich zurück eindeutig antizyklonal gekrümmt sind. Nördlich davon markiert die schleifende und leicht wellende Kaltfront des zweikernigen Tiefs „Kerstin“ (siehe Wolkenspiralen vor Norwegens Westküste) die Frontalzone, während die Warmfront des Tiefs in einem hohen Tempo gen Russland abläuft. Die polare Luftmasse nördlich der Frontalzone wird über dem warmen Atlantikwasser fleißig labilisiert und bildet einen lehrbuchhaft konvektiven Flickenteppich, während leeseitig Islands die Luftmasse mit hohen Geschwindigkeiten und unter Absinken aufs Meer hinaus geführt wird und sich Wolkenstraßen aus wachsenden Cu/Sc ausbilden. Und als ob das noch nicht genug ist, liegt nahezu perfekt in der Symmetrie des Höhenrückens vor Korsika die Wolkenspirale eines abgetropftes Höhentief, das auch am Boden inzwischen einen Kern ausbilden konnte und mit etwas höhenkalter Luft und vor allem auf der Vorderseite auch etwas dynamischer Hebung kräftige konvektive Umlagerungen über dem sehr warmen Mittelmeer induziert.

    Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/sat/satellit-hd-5min.html

    Soweit zum heutigen Bild. Wie der Dynamik auf dem Atlantik ein wenig zu entnehmen ist, wird es allerdings nicht bei dieser ansehnlichen und für uns synoptisch sehr arbeitsarmen Situation nicht bleiben. Vorderseitig des atlantischen Hochdruckkeils samt Bodenhoch „Viktor“ hat sich nämlich polare Kaltluft in Form eines stattlichen Höhentroges auf den Weg nach Süden gemacht. Dieser erreicht bereits morgen 06UTC mit seiner Achse die Britischen Inseln, verliert im Kampf gegen das europäische Hochdruckbollwerk und durch den nachrückenden Keil aber mehr und mehr an Wellenlänge, bis sich schließlich nach ICON 06z morgen 18UTC ein eigenständiges, abgetropftes Höhentief über der Bretagne entwickelt haben soll.

    Durch Annäherung des Troges wird auch das Mittelmeer-Höhentief wieder als Trog in die Frontalzone eingegliedert, sodass sowohl Nordwestdeutschland als auch der Alpenraum morgen zunehmend zyklonalerem Einfluss unterliegen. Die Kaltfront des oben erwähnten Tiefs Kerstin erreicht dabei im Tagesverlauf zunächst die Nordseeküste und wird anschließend durch mehrere Tiefdruckentwicklungen auf der Vorderseite des Troges abwechselnd beschleunigt nach Süden geführt und anschließend zeitweise wieder durch vorderseitige WLA zurückgehalten. Je nachdem, wie gut vor dem abtropfenden Höhentief noch wärmere Luftmassen in den Westen Deutschlands geführt werden, kann es dort sogar zu einigen Gewittern in der Nacht zu Sonntag kommen, ansonsten wird der Samstag in den deutschen Turnierstädten ein niederschlagsfreier Spieltag mit Wettbewerb um die beste Cirrenprognose, dank mächtiger Warmluftzufuhr aber in jedenfall sehr mild (850er-Temperaturen >10°C, vielleicht sogar nochmal ein Sommertag in Leipzig). Über dem Alpenraum wird dagegen Richtung Abend zunehmend feuchtere Luft auf der Vorderseite des Mittelmeertroges gehoben und labilisiert, wobei hier den Spielern der nötige Freiraum gelassen wird, sich zu entscheiden, wie schnell die teils konvektiven Regenfälle es über den Alpenhauptkamm schaffen (0 vs. 8 in Innsbruck)  und wieviel sie dann auch in die Niederschlagstöpfe abwerfen. Viel wird es nicht sein, aber vom perfekten Wanderwetter dieses Freitags ist es auch ein ganzes Stück entfernt.

    Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/swisshd-eu/mitteleuropa/sat-ir-bright-temperature-1079mu/20181005-1500z.html

    Bis zum Sonntagmorgen erreicht dann die Kaltfront des inzwischen sehr kräftig ausgeprägten Frankreichtiefs (schöne Wolkenspirale im 4×4-Kachelmann-Modell) auch die Schweiz, wird aber irgendwo dort stationär (da das Höhentief weiter abtropft und nicht weiter nach Osten voran kommt). Dies gibt mit Blick auf die MOSse einen minimalen Spielraum fast aller Parameter für Zurich am Sonntag. Viel Glück dort an die Tipper ;).
    Ansonsten wird es etwas weniger spannend: Die Kaltfront über Deutschland kommt erreicht zwar auch Berlin und Leipzig, verliert durch die flach einlaufende KLA und den nachrückenden Hochdruck aber an jeglicher Wetteraktivität, sodass es bei Wolken und deutlich niedrigeren Tx im Vergleich zum Samstag bleiben sollte. Der Zocker unter den Spielern mag aus der mehrschichtigen Bewölkung am Vormittag noch den ein oder anderen Tropfen auspressen, aber ob die auch unten in Schkeuditz oder an den Berliner Flughäfen ankommen oder unterwegs der Verdunstung zum Opfer fallen, steht in den Sternen. Auch wird das postfrontale Abtrocknen der Luftmasse (N, Td um 12UTC) auch noch etwas unterschiedlich gesehen. In den österreichischen Städten sind die Hebungsprozesse noch etwas wirksamer, hier wird im Tagesverlauf doch Regen oder später auch der ein oder andere Schauer recht wahrscheinlich, auch wenn hier ebenfalls noch unterscheidliche Ansätze zum genauen Verlauf in den Modellen zu finden sind. Auch erreicht die eigentliche Kaltfront (weder aus Westen noch aus Norden) das Ländle, sodass es in den wenigen Wolkenlücken schnell gen 20 Grad gehen sollte.

    Abseits aller angesprochenen WWs ist in Nächten, sobald es aufklart, auch Nebel mehr und mehr ein Thema, wobei hier eher der Sonntag mit seiner feuchten Luft in Frage kommt. Vielleicht steht im Zürich-WW am Sonntag ja auch eine 4 statt einer 6… ;)

    Nächste Woche gibt es dann im Übrigen nochmal Nachschlag vom goldenen Oktober und das – ganz wie es der Sommer bisher vorgemacht hat – nicht zu knapp. Vielleicht der Auftakt in den nächsten viel zu warmen und zu trockenen Monat oder doch eine Nebellotterie, wir werden es sehen. Mangels Zeit muss ich jedenfalls nun selbst zum Tippen übergehen und die WB an dieser Stelle beenden.

    Allen Spielern wünsche ich ein erfolgreiches Spielwochenende!

    Beste Grüße aus Leipzig,
    Oscar

    • Dieses Thema wurde geändert vor 2 Monate, 1 Woche von Snab_LE Snab_LE.
  • #12807
    Mammatus95
    Mammatus95
    Moderator

    Vielen Dank für die lesenswerte und mit schönen Grafiken bebilderte WB!

    Mal schauen was der Nebel-Krimi in Zürich so für Wv’s bringen wird.
    Bereits heute Morgen war es sehr knapp mit dem Nebel.

    Schönes Wochenende an alle
    Mammatus95

  • #12809
    nik
    nik
    Teilnehmer

    Vielen Dank für die schöne WB!
    Der eingelagerte Kurzwellentrog über Österreich sorgt für etwas Spannung bei den wws am Sonntag in Wien. Im Sommer wäre Potential für eine gute Gewitterlage vorhanden, derzeit kann ich mir allerdings sowohl zwei trockene als auch zwei nasse wws vorstellen. Habe am Ende den für mich besten Kompromiss mit 0-8 getippt, wenngleich es bereits vor 12z PVA gibt.
    Manch ein Lokalmodell lässt bei geringen CAPE-Werten tatsächlich auch noch Hoffnung auf ein W=9 aufkeimen, wenngleich die Wahrscheinlichkeit, dass es dann auch wirklich Wien erwischt, wohl recht gering ist.

    LG,
    Nik

  • #12810
    Heiko
    Heiko
    Teilnehmer

    Hallo Oscar,

    vielen Dank für die tolle, ausführliche und interessante Wetterbesprechung! Große Klasse!

    Viele Grüße,
    Heiko.

  • #12817
    Heiko
    Heiko
    Teilnehmer

    Aua! Auch vermeintlich einfaches und tendenziell zu Unrecht als langweilig eingestuftes Wetter kann vor einem mehr oder weniger deutlichen Debakel nicht schützen. :-/

    Viele Grüße,
    Heiko.

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