Verfahren

Referenz- und Mitteltipps

Bei wetterturnier.de nehmen verschiedene automatische Prognoseverfahren teil. Diese werden unterschieden in “automatische Systeme” (Stichwort MOS), “Referenzspieler” und “Mitteltipps” oder “Gruppentipps”. In den Ranglisten sind diese farblich hervorgehoben: menschliche Spieler [weiß], automatische Systeme [schwarz], Referenzspieler [blau] und Gruppen-Tipps [orange].

  • automatische Systeme: vorwiegend sogenannte Model-Output-Systeme (MOS), also mittels statistsichen Verfahren nachprozessierte Vorhersagen aus den numerischen Wettermodellen.
  • Referenzspieler: spezielle Tipps, wie etwa die Persistenzen (nachfolgend erklärt), Petrus (siehe unten) und weitere.
  • Mitteltipps/Gruppentipps: Alle Spieler, die für ein gewisses Turnier Mitglied einer Gruppe sind, werden in den Gruppentipp einbezogen. Dieser funktioniert exakt wie Petrus (siehe unten), beinhaltet jedoch nicht alle Mitspieler, sondern nur jene, welche der entsprechenden Gruppe zugehörig sind.

Persistenzen (“Donnerstag” und “Freitag”)

Die Persistenzprognose (“alles bleibt so, wie es ist”) läuft als Referenz mit. Mit den beiden Persistenzen geht das Wetter vom Donnerstag und Freitag vor dem Turnierwochenende für Samstag und Sonntag an den Start. Dabei wird jeweils das Mittel aus den beiden Stationen einer Turnierstadt gebildet. Wir nutzen dazu folgende Beobachtungen:

  • Minimum-Temperatur (TTn) von Freitag 6 UTC
  • Bewölkungsgrad (N), Wetterzustand “Vormittag” (Wv), Windrichtung (dd), Windgeschwindigkeit (ff), Luftdruck (PPP), Taupunkt (TTd) von Freitag 12 UTC
  • Wetterzustand “Nachmittag” (Wv), Maximum-Temperatur (TTm) von Freitag 18 UTC
  • Niederschlagsmenge (RR) von Samstag 6 UTC

Petrus

Unter “Petrus” verbirgt sich die Mittelprognose aller Teilnehmer. Dabei wird bei folgenden Vorhersagegrößen arithmetisch gemittelt und mathematisch (auf gerade Zahlen) gerundet:

N, ff, PPP, TTm, TTn, TTd

  • Bei Sd wird nach Mehrheitsentscheid zunächst ermittelt, ob die Sonne scheinen soll oder nicht. Falls sich mindestens 50% der Mitspieler FÜR Sonnenschein entschieden haben, werden alle Werte gemittelt. Falls nicht ist Sd = 0.
  • Bei dd wird ein mit der jeweiligen Windstärke (ff) gewichtetes Vektormittel berechnet.
  • Bei fx wird zunächst eine Mehrheitsentscheidung für oder gegen Böen getroffen und wenn sich keine Mehrheit für fx=0 ein arithmetisches Mittel aller Werte \ge 25 gebildet.
  • Wv und Wn werden nach folgender Reihe von Mehrheitsentscheidungen festgelegt. Bei Gleichstand wird jeweils zugunsten der höheren Schlüsselziffer entschieden:
    • Unterscheidung trockene / nicht trockene Wetterzustände (0, 4 gegen 5, 6, 7, 8, 9).
    • Im ersten Fall: einfache Mehrheitsentscheidung zwischen 0 und 4.
    • Im zweiten Fall: Unterscheidung stratiform / konvektiv (5, 6, 7 gegen 8, 9).
    • Im stratiformen Fall: Unterscheidung flüssig / fest (5, 6 gegen 7) mit anschließender Mehrheitsentscheidung zwischen 5 und 6.
    • Im konvektiven Fall: einfache Mehrheitsentscheidung zwischen 8 und 9.
  • Bei RR wird nach einer Mehrheitsentscheidung für oder gegen Niederschlag eine weitere Mehrheitsentscheidung für oder gegen eine nicht messbare Menge (0.0) durchgeführt. Wenn sich weder für -3.0 noch für 0.0 eine Mehrheit finden lässt, wird die Niederschlagsmenge aller Spieler mit RR \ge 0.0 gemittelt.

Moses

Moses ist ein gewichtetes Mittel aus allen Mitspielern und startete erstmal am 05.01.2001. Nach einem an MOS angelehntem Verfahren werden dabei für jedes Wetterelement Prediktoren (Teilnehmer) ausgewählt und möglichst optimal gewichtet. Die Prediktoren wechseln dabei im Laufe der Zeit, wenn die Prognosen eines anderen Prediktors (Teilnehmers) für einen Parameter besser sind, als die des bisher berücksichtigten. Carsten Raymund hat zu diesem Thema im Jahre 2017 seine Bachelor-Arbeit mit dem Titel “Regressionsanalysen zur Ableitung einer Optimal-Vorhersage, basierend auf der Kombination von Kurzfristvorhersagen der Teilnehmer am Berliner Wetterturnier” verfasst [Download Bachelorarbeit].

Eine Berechnungsformel für Moses sieht beispielhaft wie folgt aus:

  • Moses = 0.5 * Spieler A + 0.25 * Spieler B + 0.14 * Spieler C + 0.11 * Spieler D

Die Koeffizienten werden einmal pro Woche mit den jeweils aktuellsten Resultaten der vergangenen Wochenenden berechnet. Nimmt ein Spieler, welcher in der Gleichung vorkommt, am aktuellen Turnier nicht teil so wird er für die Berechnung von Moses durch Petrus ersetzt (im Extremfall, wenn keiner der Spieler teilnimmt wird Moses also zu Petrus). Hier finden Sie die aktuellen Moses-Wichtungen:

Sleepy

Der “Sleepy” ist kein eigentlicher Spieler, sondern definiert die Punkte, die in die Wertungen einfließen (z.B. Gesamtwertung), falls ein Spieler an einem Wochenende nicht am Turnier teilgenommen hat. Wenn p_c die Punkte der Spieler eines Wochenendes für die Stadt c sind, und N die Anzahl der Teilnehmer, so erhält Sleepy folgende Punktzahl für ein gegebenes Wochenende:

p_{sleepy,c} = \bar{p}_c - mean( | p_c - \bar{p}_c | )

 

~~\text{mit}~~\bar{p}_c = \frac{1}{N} \cdot \sum_{i=1}^N p_i

 

WICHTIG: In p_c sind seit 2018 nur die Tipps von Menschen und Automaten enthalten, also keine Gruppentipps und keine Referenztipps.