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| Spielstände: | Berlin | Wien | Zürich | Innsbruck | Leipzig | Spielregeln | 12.12.2017, 21:27:08UTC

Prognoseturnier - Forum / Discussion Board

Herzlich Willkommen im Forum des Berliner Wetterprognoseturniers. Die Turnierleitung wünscht allen Mitspielern und Besuchern
viel Spaß beim Diskutieren von Wetterlagen, Turnier, Regelwerk und vielem mehr.

Wetterbesprechung 13. bis 15.10.2017 (Ophelia included) -ot-
geschrieben von: Marcus Beyer (IP bekannt)
Datum: 12.10.17 23:41

Lieber Wetterturniermitspieler,

nach längerer Zeit möchte ich heute mal wieder eine Wetterbesprechung für das Turnierwochenende beisteuern. Auch wenn ich im Moment nicht die Zeit habe aktiv mitzuspielen, so schaue ich trotzdem tagtäglich, was das Wetter so mit uns vorhat.

Und da wirft bereits jetzt ein Ereignis, was erst zum Montag so richtig interessant wird, seine Schatten voraus. Hurrikan Ophelia soll zu Beginn der kommenden Woche in die Westdrift eingebunden werden und stellt dann als außertropisches Tief mit noch tropischen Zügen eine potentielle Gefahr für Irland da. Dazu dann am Ende der WB etwas mehr … als dran bleiben. ;-)

Kommen wir also zum Deutschlandwetter am bevorstehenden Woche, dass vergleichsweise langweilig daher kommt und beginnen mit dem Freitag.


Ausgangslage am Freitag

Am heutigen Freitag zeigt sich wie auch schon an den Vortagen eine gut ausgebildete und zonal orientierte Westwetterlage. So lassen sich über Nordeuropa und dem nördlichen Ostatlantik diverse Tiefdruckgebiete finden, während ausgehend von den Azoren große Teile von Südeuropa unter antizyklonalem Einfluss liegen.

Insgesamt gesehen ist die Westdrift etwas nach Norden verschoben. Dementsprechend zeigte die zurückliegende Woche eine Zweiteilung mit einem freundlichen Süden und einem eher nass-grauen Norden. Diese Unterschiede spiegelten sich auch im Temperaturniveau wider. Während man im Norden immer so um die 15 Grad herumdümpelt, hat vor allem in den letzten beiden Tagen nach Süden die eine oder andere Station die 20 Grad Marke überschritten.

Heute nun am Freitag kann sich der antizyklonale Einfluss weiter nach Norden ausdehnen. Ursächlich dafür ist ein kräftiger Trog bei Island, auf dessen Vorderseite sich gestützt von WLA ein kräftiger Rücken aufwölben kann. Damit stärkt sich auch das Druckniveau in Bodennähe.

Dennoch wird der Freitag nicht überall freundlich sein. Da gibt es zum einen einzelne Regionen im Süden des Landes, wo sich die nächtlichen Nebelfelder schwer tun mit Auflösung. Der Klassiker bei dieser Wetterlage ist die Bodenseeregion, wo es zum Teil den ganzen Tag neblig-trüb bleiben wird.
Über den mittleren Landesteilen halten sich tiefe Wolkenfelder. Das lässt sich schon jetzt erahnen, wenn man sich die aktuellen Soundings anschaut und eine gut ausgeprägte Inversion im Niveau von 850 hPa findet.
Und dann wäre da noch der Norden bzw. Nordwesten. Dort greifen dichtere Wolkenfelder einer Warmfront im Tageverlauf von Westen über und sorgen hier und da auch mal für ein paar Tropfen. Im Rest des Landes gibt es mal mehr, mal weniger Sonne. Dabei steigen die Maxima bis auf 22 Grad im Oberrheingraben.



Der Samstag:

Eine neuerliche Austrogung weiter stromaufwärts sorgt dafür, dass sich der Rücken über großen Teilen von Europa weiter kräftigt und gleichzeitig deutlich breiter aufgestellt und damit robuster gegen Störungen wird.

Auch im Bodenniveau spiegelt sich dies mit einem weiteren Druckanstieg wider. Entsprechend machen nun auch die Fronten einen größeren Bogen rund um Deutschland. Der äußerste Norden bleibt allerdings noch im Einflussbereich der über Dänemark befindlichen Front. Je weiter man nach Süden kommt, desto freundlicher gestaltet sich allerdings das Tagesablauf.

Um etwas zum Samstagwetter zu schreiben, braucht es allerdings auch einen Blick auf die Vornacht. Über der Mitte und dem Süden können sich doch recht verbreitet Nebelfelder bilden. Durch die mittlerweile sehr geringen Luftdruckgegensätze und damit auch einer fehlenden Durchmischung wird es in einigen Regionen doch recht schwierig und zäh mit der Nebelauflösung … die Oktobersonne ist halt keine Sommersonne mehr. Ganztägig dicht wird es wohl wieder im erweiterten Bodenseeumfeld und in anderen anfälligen Flussniederungen sein. In Berlin und Leipzig sollte sich aber häufiger wieder die Sonne zeigen … in Leipzig wohl mehr als in Berlin.

Das Temperaturniveau kann sich außerhalb der Nebelgebiete durchaus sehen lassen. Spätsommerliche 19 bis 23 Grad können bei verbreitet mehr als 10 Grad in 850 hPa eingeplant werden, vielleicht wird es im Südwesten auch noch etwas wärmer.

Viel mehr Worte lassen sich zu diesem unspektakulären Samstag nicht verlieren.

Detailprognose:

Berlin: Wechselnd wolkig und trocken. Im Tagesverlauf etwas auffrischender westlicher Wind. Um 20 Grad tags, 10 Grad in der Vornacht.

Leipzig: Häufig heiter bis sonnig und trocken. Bis 22 Grad, nach 9 Grad in der Nacht. Schwachwindig um West.

Wien: Morgennebel, später sonnig. Bis 22 Grad, nach 9 Grad. Meist schwacher West- bis Nordwestwind.

Zürich: Wie lange neblig? Bei Sonne bis 20 Grad, sonst deutlich niedriger. Nachts bei 8 Grad. Schwachwindig.

Innsbruck: Wenn kein Nebelfeld stört viel Sonne und bis 21 Grad, nachts nur 4 Grad. Kaum Wind.



Der Sonntag:

Es dominiert weiter der breite Rücken über großen Teilen von Europa. Allerdings lässt sich im Isohypsenfeld über Frankeich ein sich näherndes Höhentief erkennen, dass in der Nacht auf Montag auf Westdeutschland übergreift.
Am deutlichsten ist der Trog bei den Europäern zu erkennen, während ICON und GFS diesen viel flacher haben. Ein Tiefzentrum ist nirgends zu sehen und auch am Boden ergibt sich keinerlei Störung. Insofern werden es wohl nur Wolkenfelder sein, die von der Störung ausgehen.

Für die Turnierstädte ist dieser Höhentrog nicht von Interesse. Große Teile von Deutschland werden dominiert von Antizyklonalität. Die Inversion wird sich dabei weiter kräftigen, sodass erneut viel Nebel in der Nacht auf den Sonntag zu erwarten ist. Im Vergleich zum Samstag werden wohl größere Regionen im Dauergrau verbleiben. Das betrifft wohl vornehmlich Hochrhein, Donau und ihre Zuflüsse.

Dort wo man von Nebel/Hochnebel befreit ist, gibt es viel Sonnenschein und Höchstwerte zwischen 19 und 24 Grad. Für einen Sommertag wird es wohl zu eng … die Tage zu kurz, die Inversion und fehlende Durchmischung zu stark.


Detailprognose:

Berlin: Geringe Morgennebelgefahr. Viel Sonne. Trocken. Schwachwindig um Süd. Nachts: 11 Grad, tags bis 21 Grad.

Leipzig: Gefahr von Morgennebel. Im Anschluss sonnig und trocken. Bei schwachem Wind nach 9 Grad kalter Nacht, tagsüber bis 22 Grad.

Wien: Nebel? Sonst viel Sonne und trocken. Je nach Sonne bis 22 Grad, nachts um 8 Grad. Kaum Wind.

Zürich: Wieder Nebellotto. Mit Sonne 20 Grad, nachts 8 Grad. Schwachwindig.

Innsbruck: Wenn kein Nebelfeld stört viel Sonne und bis 22 Grad, nachts nur 5 Grad. Kaum Wind.




Kurzer Ausblick:

Auch in der neuen Woche steht Mitteleuropa eine durchaus passable Wetterlage bevor. Antizyklonalität bleibt vielfach Trumpf. Klar, es wird sicher auch wieder die Verlierer geben, die sich bei Dauernebel über die vorhergesagten Spätsommertemperaturen wundern. Aber he, dann muss man halt mal einen Ausflug machen. Für den Rest der Bevölkerung setzt sich das Wetter vom Sonntag aber fort und auch mittelfristig schauen die neuesten Läufe doch deutlich antizyklonaler aus. Nichts mehr zu sehen von einem übergreifenden Trog. Könnte doch in einigen Regionen ein wahrlich goldener Oktober werden … warten wir es ab.

Prognose ECMWF (beispielhaft für Leipzig)


Nun aber wie versprochen noch ein paar Worte zu Ophelia. Mittlerweile hat sich Ophelia zu einem Hurrikan der Kategorie 2 gemausert und befindet sich südwestlich der Azoren. Dort liegt Ophelia und wartet darauf abgeholt zu werden. Und wer könnte diese Rolle übernehmen. Nun klar … ein Trog mittlerer Breite. Schon oben wurde ein stromaufwärts liegender Trog angesprochen. Diese amplifiziert sich im Laufe des Samstages soweit, dass er ausreichend nach Süden ausgreifen kann, um Kontakt zu Ophelia aufzunehmen. Bis dahin kann sich der Hurrikan durchaus noch etwas weiter verstärken.

Zum Samstag nimmt Ophelia also schließlich Fahrt in Richtung Nordosten auf und wird dabei den Südosten der Azoren streifen und vor allem reichlich Nass bringen.

Das Einbinden in die Westdrift findet in der zweiten Tageshälfte des Sonntages statt. Woran mach ich das fest? Das ist genau der Moment, wenn in 500 hPa das eigenständige Höhentief sich mit dem Höhentrog verbindet. Das markiert auch den Prozess der extropical transition. Also der Umwandlung zu einem Tief der mittleren Breiten.

Die Einbindung hat zwei Folgen, zum einen wird das System nach Nord-Nordost beschleunigt, zum anderen verstärkt sich das Tief rasch und deutlich durch seine entwicklungsgünstige Lage. Der Höhepunkt sollte am Montagvormittag erreicht werden, knapp südwestlich von Irland. Die Globalmodelle zeigen recht einheitlich einen Abfall des Kerndrucks auf unter 960 hPa. Sicher nicht ausgeschlossen, dass er auch noch etwas tiefer fällt.

Ophelia zeigt dabei einen klassischen Hybridzustand. Mittlerweile ausgestattet mit einem eigenen Frontensystem ist dieses doch deutlich abgesetzt von einem noch warmen Kern. Ophelia ist zwar kein Hurrikan mehr, wie die Bildzeitungsreporter von Wetteronline schreiben, wohl aber ein Tief mittlerer Breiten mit tropischen Zügen … viel verfügbares Flüssigwasser inklusive.

Die entscheidende Frage ist, wo genau wird Ophelia lang ziehen. Die deterministischen Europäer zeigen das Worst-Case Szenario mit einer direkten Passage des Tiefzentrums über Irland. Die Böen sollten dabei mehr als deutlich im Orkanbereich liegen. Mehr als 140 km/h sind durchaus denkbar. Wenn man wissen möchte, was das für Folgen haben könnte … der google einfach mal nach Hurrikan Debbie und der Jahreszahl 1961.

Andere Modelle und das Ensemble Mean des ECMWF lassen das Zentrum weiter westlich ziehen, wonach Irland weitgehend außen vor bliebe. Nichtsdestotrotz sollte das Worst-Case Szenario auf jeden Fall im Hinterkopf behalten werden. Entscheidend ist der genaue Einbindungsprozess in den Trog … Details entscheiden und sorgen für die noch vorhandene recht große Vorhersageunsicherheit.

In jedem Fall eine sehr spannende Entwicklung. Es kommt nur alle Jubeljahre einmal vor solch eine Entwicklung verfolgen zu können. Sicher wird man dabei auch einiges lernen (Windentwicklung- und Verteilung, Niederschläge, tropische Merkmale) … wahrscheinlich umso mehr, je stärker die Britischen Inseln in Mitleidenschaft gezogen werden … wenngleich man das den dortigen Bewohnern nicht wünscht.

Bleiben wir also am Ball…

Prognose ECMWF (Tropical Cyclone Ophelia)


Die folgende Grafik ist so zu interpretieren, dass die einzelnen Member für die Maximumböen der Reihe nach geordnet und von 0% bis 100% abgetragen werden. Je mehr die Linie in die Waagerechte geht, desto größer ist der Spread. Es sind die letzten drei Modellläufe und das Modelklima zu sehen. Als Gitterpunkt habe ich die Südwestküste von Irland genommen. Die Balken auf der rechten Seite zeigen den Extreme Forecast Index und die Abweichung vom Modellklima.

Man sieht also einen großen Spread. Im Angebot ist von 3 bis 51 m/s alles. Insgesamt bewegen sich die Kurven aber rechts vom Modelklima und auch der EFI zeigt das Potential für ein größeres Windereignis. Lets wait and see.



Viele Grüße
Marcus





2 mal bearbeitet. Zuletzt am 17.10.17 14:34.



Thema Zugriffe Autor Datum/Zeit
Wetterbesprechung 13. bis 15.10.2017 (Ophelia included) -ot- 139 Marcus Beyer 12.10.17 23:41
     Ganz, ganz tolle WB mit Rundumschweif! DANKE!!! -oT- 52 Ralf Schmidt 13.10.17 02:44
     Vielen Dank für die herausragende WB! smileys with beer 53 Kaltlufttropfen 13.10.17 13:28
     Super Wetter- und Opheliabesprechung 64 Edilbert 13.10.17 15:09
     Vielen Dank für diesen spitzen Überblick ... 82 Alexander 13.10.17 15:33
        Re: Windrichtung Innsbruck 87 LukasRtM 13.10.17 16:00
           Talwindsystem: Luftmasse & Druckgradienttendenz 110 Georg Haas 13.10.17 22:18
              Re: Talwindsystem: Luftmasse & Druckgradienttendenz 50 Mammatus95 15.10.17 20:13
     Danke für die tolle Wetterbesprechung incl. Ophelia! *o.T.* 80 Heiko 13.10.17 20:58
     Daten Zürich u. Wien falsch! 99 meteo84 14.10.17 13:36
        Zürich hat sich gerade schon erledigt -oT- 83 meteo84 14.10.17 13:37
        Re: Daten Zürich u. Wien falsch! 51 Uwetter 16.10.17 10:56
     Tippfehler bei Mammatus95 in Leipzig 83 meteo84 14.10.17 19:55
        fehlende Werte Berlin 68 Frosch410 15.10.17 11:36
        ...ist ausgebessert. 55 Georg Haas 15.10.17 11:48
        Re: Tippfehler bei Mammatus95 in Leipzig 49 Mammatus95 15.10.17 20:04


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