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| Spielstände: | Berlin | Wien | Zürich | Innsbruck | Leipzig | Spielregeln | 24.11.2017, 09:05:18UTC

Prognoseturnier - Forum / Discussion Board

Herzlich Willkommen im Forum des Berliner Wetterprognoseturniers. Die Turnierleitung wünscht allen Mitspielern und Besuchern
viel Spaß beim Diskutieren von Wetterlagen, Turnier, Regelwerk und vielem mehr.

Wetterbesprechung 18. August 2017
geschrieben von: Heiko (IP bekannt)
Datum: 18.08.17 12:38

Hallo zusammen,

herzlich willkommen zur heutigen Wetterbesprechung! Wir befinden uns bereits in der zweiten Augusthälfte, in gut einem Monat überschreitet die Sonne den Äquator in südlicher Richtung und die Lebkuchen lösen - wenn man denn will - in den nächsten Wochen die eventuell noch vorrätigen Ostereier im hinteren Winkel der Küche ab.

Nichtsdestotrotz: Jetzt haben wir Sommer!

Dass dieser in ganz unterschiedlichen Ausprägungen auftritt, haben wir alle schon erlebt und in den letzten Wochen und Monaten ausführlich besprochen.

Was den bisherigen August betrifft, kann man - ohne dass ich zu sehr ins Detail gehen möchte (dafür empfehle ich die Seiten von Bernd Hussing, z.B. hier [www.bernd-hussing.de]) - eine deutschlandweite Abweichung der Temperatur nach oben feststellen: Während diese in Emden und Köln/Bonn mit jeweils 0,2 K gering ausfiel, war es im Osten und Süden des Landes häufig rund 2 K zu warm. Den Spitzenreiter im wahrsten Sinne des Wortes stellt in dieser Hinsicht die Zugspitze mit 3,7 K über dem langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 dar. Die Niederschlags(zwischen)bilanz fällt sehr unterschiedlich aus: Während in Emden erst 35% des Monatssolls erreicht wurden, gab es in Frankfurt am Main schon 26% mehr, als für einen durchschnittlichen August normal wären. Im Hinblick auf den Sonnenschein hat vor allem der Niederrhein (Düsseldorf 35% des langjährigen Mittels) einiges aufzuholen, wogegen Leipzig mit 61% deutlich besser wegkommt.

Nun aber zur aktuellen Wetterlage:

Auf der Analyse des DWD von heute 00z sieht man ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet mit dem Namen KOLLE, das mit unter 995 hPa Kerndruck zwischen Island und Schottland lag. Bis nach Südskandinavien zog sich eine Okklusionsfront; weiter südlich verlief eine Warmfront, die sich schon weitgehend aus Deutschland verabschiedet hat. Weiter westlich folgte eine Kaltfront, die von der Ostsee bis zum Rheinland über Deutschland reichte und weiter südwestlich in die Warmfront einer verwellten Luftmassengrenze überging. Letztere schummelte sich laut der DWD-Analyse durch das Azorenhoch bis an den Rand des Ex-Hurrikans GERT bei Neufundland. Über Russland lag das Hochdruckgebiet LISA; ein zweites benanntes Hoch minimaler Ausdehnung (eigentlich mehr als Zwischenschritt zwischen LISA und dem Azorenhoch zu sehen) hört auf den Namen MARIA und lag über dem südlichen Bayern.





Auf dem Satellitenbild von heute Vormittag könnt Ihr die genannten Druckgebilde und Fronten nachvollziehen. Man beachte vor allem das "Wolkenpaket", das von Nordspanien über Frankreich und die BeNeLux-Länder sowie den Westen und Norden Deutschlands bis nach Nordeuropa reicht. Schön ist unter anderem auch die höhenkalte Luft über weiten Teilen Westeuropas zu sehen.





Gut zu sehen, wie vor der Kaltfront (im Warmsektor) schon um 11 Uhr gebietsweise die 25°C erreicht oder überschritten wurden, während von Rheinland Pfalz und dem Saarland bis nach Schleswig-Holstein bei der Temperatur häufiger die 1 vorne zu finden ist.





Das zugehörige Niederschlagsgebiet ist laut dem vormittäglichen Radarbild der FU eher flächig, wobei vor allem von Nordhessen bis ins nördliche Niedersachsen auch mal die Farbe gelb oder orange auftaucht (mäßige Intensität). Über Belgien und den Niederlanden ploppen erste Schauerzellen (Nachtrag: auch einzelne Gewitter gab es über die Mittagszeit) hoch.





Die 500-hPa-Karte von heute 06z zeigt gut die Trogvorderseite, auf der sich Mitteleuropa befindet. Die Trogachse verläuft etwa vom Zentrum des Bodentiefs KOLLE über den Westen der Britischen Inseln und die Biskaya zur Iberischen Halbinsel. Gut ist einerseits die südwestliche Strömung mit Warmluftadvektion vor der Kaltfront zu erkennen, andererseits ist die hinter der Kaltfront folgende, deutlich kühlere Luft sichtbar.





Ein etwas genauerer Blick auf die pseudopotentielle Temperatur in 850 von heute früh zeigt die (mehr oder weniger verwellte) Kaltfront über dem Nordwesten Deutschlands. Über den zentralen und westlichen Alpen geht die pseudopotentielle Temperatur mal auf 60°C hoch, während hinter der Kaltfront meist unter 40°C zu Buche schlagen (über Irland sogar um 30°C).





Heute Abend und in der Nacht sind entlang der Kaltfront teils unwetterartige Schauer und Gewitter im Programm, was zwar in der GFS-Karte für den 6-stündigen Niederschlag bis Sonnabend, 00z, nur ansatzweise dargestellt werden kann; immerhin lässt sich erahnen, dass es (neben einem kleineren Schwerpunkt im äußersten Nordosten / Osten Deutschlands) vor allem in Bayern und Baden-Württemberg einiges an Niederschlag gibt.





Für Prognosen und Diskussionen in unseren südlichen Turnierstädten und auch Leipzig bitte ich die dortigen Wetterfrösche um Input; ich muss mich aus Zeitgründen auf Berlin konzentrieren und möchte neben einigen Schilderungen der Wetterlage in Deutschland natürlich unsere Kollegen in Österreich und der Schweiz nicht zu kurz kommen lassen!

Wir machen einen Sprung und werfen einen Blick auf die Bodenwetterkarte morgen Mittag, wie sie sich der DWD vorstellt. Das Tief KOLLE soll mit zwei Kernen über Nordeuropa liegen: KOLLE I soll sich zwischen Südnorwegen und Schottland (unter 1000 hPa) befinden, während KOLLE II (unter 1005 hPa) über dem südlichen Bottnischen Meerbusen erwartet wird. Von letzterem soll die verwellte Luftmassengrenze zunächst nach Süden, später nach Südwesten bis Westen verlaufen und bis zum westlichen Mittelmeer reichen (dazwischen mehrere Tiefs eingelagert). Das Hoch MARIA soll sich in Wohlgefallen aufgelöst haben, Hoch LISA liegt weiter über Russland und das zwischen den Azoren und der Biskaya befindliche (Azoren-)Hoch trägt den Namen NILÜFER. In Norddeutschland ist bei zyklonaler Krümmung sowie einem gewissen Gradienten die Nähe zu den nordeuropäischen Tiefs vorherrschend (Trog s.u.), wogegen weiter südlich Isobarensumpf dominiert (mit jedem Kilometer nach Südwesten mit vermehrtem Einfluss des Hochs NILÜFER).





Das Modellwetter (in dem Fall von morgen 12z), dessen Freund ich i.A. eher nicht bin, lässt sich aber für eine prägnante Darstellung des morgigen Wetterturnier-Fahrplanes ganz gut verwenden: Zum einen stellt sich die Frage, wie schnell die Wolken (und Niederschläge) der nach Osten aus Deutschland abziehenden Front sich auflösen bzw. nachlassen, zum anderen erkennt man in der Grafik hinter der der postfrontalen Subsidenz geschuldeten Aufheiterungs- und trockenen Zone die im Zuge der Annäherung der Troglinie entstehenden und von (Nord-)Westen hereinziehenden Schauer (und Gewitter?), die allerdings zumindest laut GFS Berlin bis 18z nicht erreichen sollten. Aber sicher kann es auch mal etwas Vorlaufendes geben, und die Geschwindigkeit, mit der sich Troglinie bzw. Schauer (und Gewitter) verlagern, ist ja auch nicht in Stein gemeißelt.





Hier nun, da vorhin schon von höhenkalter Luft und dem Trog bzw. der Troglinie gesprochen wurde, noch ein schneller Blick auf den Mitteleuropa-Ausschnitt der 500-hPa-Karte von morgen 18z. Die (höhen-)kalte Luft schiebt sich mit unter -20°C über weiten Teilen Norddeutschlands voran.





Somit liegt die Höchsttemperatur morgen oft deutlich unter der von heute (außer natürlich dort, wo sie heute kaltfrontbedingt schon kaum mehr "aus dem Knick" gekommen ist), und es gibt wohl kaum noch einen Ort in Deutschland, der morgen einen Sommertag verzeichnet (vielleicht gar keinen).





Um vom Höhenwind (unten dazu mal die Karte des 850-hPa-Windes am Sonntag um 00z) etwas Turnierrelevantes abzubekommen, bedarf es meiner Ansicht nach schon eines Schauers oder Gewitters, wobei in der Nacht zum Sonntag mit zurückgehender konvektiver Tätigkeit in Berlin signifikante Böen komplett ausbleiben könnten. Von den Vormittags-MOSsen hat ja zumindest das DWD-EZ-MOS einen halben Liter Niederschlag bis Sonntag früh im Programm, wenn auch daraus keine Böen mit mindestens 25 Knoten resultieren sollen. Anders das DWD-MOS-Mix, welches zwar fx=25 vorgibt, aber ohne RR.






Auf der DWD-Bodenprognosekarte für Sonntag Mittag keine große Veränderung im Vergleich zum Vortag über Mitteleuropa...





...weswegen wir gleich mal zur 500-hPa-Karte springen. Hier ist einerseits zu sehen, wie die höhenkälteste Luft ein Bisschen mehr in den Nordosten Deutschlands vorangekommen sein soll, andererseits findet sich die verhältnismäßig tiefes Geopotential anzeigende grüne Farbe vermehrt auch in der Mitte Deutschlands. Mit Nähe zum Trog sowie unter Zuhilfenahme des Tagesganges plus (für Berlin nicht relevant) der Orographie sind im Laufe des Sonntages teils kräftige Schauer und Gewitter im Norden und der Mitte Deutschlands möglich. Es darf also wieder einmal munter mit vor- und nachmittäglichen Nullen, Achten und Neunen gewürfelt werden (immerhin etwas in Richtung 5 oder 6 kann man ausnahmsweise bei der Lage mal nahezu ausschließen). Nebel halte ich für unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.






Trotz zeitweiligen Sonnenscheins liegt die Temperatur dank der Zufuhr kühlerer Luftmassen (und aus einer kühleren Nacht heraus) am Sonntag wohl u.a. in Berlin höchstens auf (oder, wie es uns MOS weismachen will, noch unter) dem Niveau des Vortages.





Als letztes noch der Hinweis auf die (2 Wochen nach der v.a. im Osten Deutschlands gut sichtbaren partiellen Mondfinsternis) am Montag stattfindende totale Sonnenfinsternis (in Deutschland nur ansatzweise in ihrer partiellen Phase in Richtung Borkum / Emden zu verfolgen), die in den USA sicher ausführlich verfolgt wird: [www.sofi2017.de]

Das soll es in Kürze von mir gewesen sein; ich freue mich auf Ergänzungen und wünsche allen viel Spaß beim Tippen und ein schönes Wochenende! :-)

Viele Grüße,
Heiko.

P.S., Nachtrag zu den Nachmittags-MOSsen: Nun alle Sonntag Vormittag trocken, nachmittags mal 8, mal 9, DWD-ICON-MOS auch nachmittags eine Null. Dieses MOS bis Montag 06z nur 0,2 l/m² gegenüber bis zu 3,3 l/m² beim MSwr-GFS-MOS. Böen (nun 26 Knoten) nach wie vor nur DWD-MOS-Mix am Sonnabend.



12 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.08.17 15:21.



Thema Zugriffe Autor Datum/Zeit
Wetterbesprechung 18. August 2017 163 Heiko 18.08.17 12:38
     Re: Vielen Dank für die klasse WB! 92 Kaltlufttropfen 18.08.17 14:29
     Vielen Dank für die klasse WB!!! -oT- 87 Ralf Schmidt 18.08.17 15:24
     Vielen Dank für die ausführliche WB! 91 Alexander 18.08.17 17:58
        Ahh ... in Innsbruck vertippt 73 Alexander 18.08.17 18:25
        Danke Dir, Alexander. für Deinen Beitrag zu Innsbruck! o.T. 89 Heiko 19.08.17 10:19
     Leipzig heute früh schön nass statt ww 0 92 meteo84 19.08.17 18:58
        Fehlende Berlin-Werte 78 Frosch410 20.08.17 09:11
           ...merci, ist so eingetragen, viele Grüße. o.T. 49 Georg Haas 20.08.17 20:42
              ...und hier die letzten Werte Berlin/Leipzig 70 Thomas Barthel 21.08.17 08:12
                 ...danke, ist nun zu sehen, viele Grüße. o.T. 55 Georg Haas 21.08.17 08:56
     Korrektur Wien 63 nik 22.08.17 11:19
        Re: Korrektur Wien 87 nik 25.08.17 14:19
           ist erledigt, danke für den Hinweis. o.T. 55 Georg Haas 30.08.17 12:52


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