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| Spielstände: | Berlin | Wien | Zürich | Innsbruck | Leipzig | Spielregeln | 20.08.2017, 16:28:38UTC

Prognoseturnier - Forum / Discussion Board

Herzlich Willkommen im Forum des Berliner Wetterprognoseturniers. Die Turnierleitung wünscht allen Mitspielern und Besuchern
viel Spaß beim Diskutieren von Wetterlagen, Turnier, Regelwerk und vielem mehr.

Wetterbesprechung vom 9. Juni 2017
geschrieben von: Heiko (IP bekannt)
Datum: 09.06.17 13:58

Hallo zusammen,

hier kommt nun, wie angekündigt etwas später wegen kurzfristiger Ansetzung, die heutige Wetterbesprechung.

So manches Mal hat sich sicher der eine oder die andere in der letzten Zeit an einem beliebigen Tag in der Woche gefragt: "Was wäre eigentlich, wenn das Wetter heute zum Wetterturnier gehören würde?" Sicher wären manche bis vor relativ kurzer Zeit froh gewesen, bei den entsprechend schwierigen Wetterlagen nicht tippen und die Auswertung verfolgen zu müssen (obwohl es so manches Mal bestimmt auch reizvoll gewesen wäre), aber seit dem letzten Wochenende - das punktemäßig bei vielen so manchen bisherigen Ausrutscher bei weitem in den Schatten gestellt hat - hat sich das auch relativiert, nach dem Motto "schlimmer geht nimmer".

Auch dieses Wochenende wird im Hinblick auf die Punkte sicher so manche Überraschung bereithalten, aber insgesamt ist doch wahrscheinlich wieder relative Entspannung und damit hoffentlich auch überwiegende Freude am Wetterturnier angesagt.



Die Höhenkarte in 500 hPa von heute Mittag 12z zeigt, dass sich östlich von Schottland ein Tiefdruckgebiet befindet (auch am Boden in ähnlicher Position sichtbar), auf dessen Vorderseite vor allem der Norden Deutschlands liegt. Im Bodendruckfeld beult sich der tiefe Luftdruck bis nach Österreich aus, während im Südwesten Deutschlands und in großen Teilen der Schweiz die antizyklonale Krümmung des Bodenhochs an der westfranzösischen Küste der in der Höhe vorherrschenden zyklonalen Krümmung auf der Trogvorderseite gegenübersteht. Über dem äußersten Nordwesten Deutschlands (Niederrhein bis Emsland) ist die kalte Luft in der Höhe (grüne Farbe) schon angekommen.





Im 850-hPa-Niveau liegt die wärmsten Luft mit fast 18°C über dem westlichen Österreich. Bis hoch nach Mecklenburg ist es mit bis zu 13°C verhältnismäßig warm, während von der Nordsee bis ins nördliche Nordrhein-Westfalen nur noch etwa 6°C zu sehen sind. Viel kühler ist es westlich davon in der Nähe des Tiefdruckzentrums mit 4 bis 5°C auch nicht.





Auf dem Satellitenbild von heute Mittag, 10.45z, sieht man schön, wie es in großen Teilen Österreichs sowie in Ostbayern und zwischen Erzgebirge und Ostsee größtenteils heiter ist. Dagegen ziehen sich von der Nordsee und Schleswig-Holstein über den Westen Deutschlands bis in die Schweiz und in Richtung Vorarlberg mehr oder weniger dichte Wolken, wobei vor allem über der Nordsee die scharfe Kante auf der Rückseite des Wolkenbandes auffällt. Über dem südlichen zwei Dritteln Großbritanniens bis nach Frankreich lässt sich die höhenkalte (-kältere) Luft anhand der Konvektionsbewölkung gut erkennen. Westlich von Irland sieht man bereits das nächste Tief mit einer wunderschönen Wolkenspriale nahen.





Auf der Momentaufnahme der Blitzortung, ebenfalls von heute Mittag, sind bereits erste Gewitter auszumachen: Eines zog von Ostfriesland über die Deutsche Bucht nach Nordfriesland, weitere Gewitter wurden ohne große Verlagerungsgeschwindigkeit über dem östlichen Rheinischen Schiefergebirge detektiert. Auch über dem Nordosten Frankreichs "zündeten" erste Gewitter.





Die Bodenkarte der vergangenen Nacht zeigt das (Zwischen-) Hoch ZALIA mit gut 1020 hPa über Ost(mittel)europa. Zum Tief INGRABAN, das sich über dem Nordmeer befindet, gehört eine lange, teils okkludierte, teils verwellte Luftmassengrenze über Nord- und Osteuropa. Das für das momentane Wettergeschehen im Westeuropa momentan verantwortliche Tief JÖRN liegt im Norden bis Nordwesten der Britischen Inseln. Vor der zugehörigen Kaltfront wurde eine Konvergenzlinie analysiert. Das weiter westlich folgende Tief hört auf den Namen KARL und besitzt mit unter 970 hPa den niedrigsten Luftdruck weit und breit.





Die Messwerte der Temperatur von heute Mittag, 10z, zeigen die wärmste Luft am Boden in Deutschland vom Havelland bis zur Lausitz mit bis zu 26°C; auch im südlichen Bayern und in Österreich wurde dieser Wert bereits stellenweise erreicht. Von Aachen über die Eifel bis zum Saarland wurden - wenn überhaupt - knapp 15°C erreicht.





Den Luftmassenwechsel bzw. die Annäherung des Tiefs sieht man auch gut an der Luftdrucktendenz: Während von Nord- bis Südostdeutschland und weite nach Österreich größtenteils der Luftdruck fällt, sind die Gebiete von der Schweiz bis zur Emsmündung schon wieder "auf dem aufsteigenden Ast".





In den zuletzt genannten Regionen ist es mit Taupunkten meist zwischen 10 und 14°C relativ feucht; von der dänischen Grenze bis nach Rügen kann man bei rund 15°C von recht schwülem Wetter sprechen. Im Südosten und zumindest mancherorts in Österreich ist es jedoch eine verhältnismäßig trockene Wärme mit einstelligen Taupunkten.





Der Wind weht vorderseitig des Tiefs JÖRN bzw. seiner Front(en) aus südöstlicher Richtung. nach Westen zeigt sich eine Drehung auf Südwest bis West.





Die ersten kräftigen Schauer und Gewitter heute Vormittag haben einstündig bis 1oz den einen oder anderen Liter pro Quadratmeter gebracht; in den Niederlanden kamen örtlich sogar 10 l/m² oder etwas mehr zusammen.





Die nach Nordwesten blickende Webcam auf dem Wetterturm in Berlin-Dahlem zeigt neben einer relativ guten Sichtweite den von einigen Cirren dekorierten blauen Himmel.





Auch wenn es in den letzten Tagen punktuell kräftige Niederschläge im Osten und Südosten Deutschlands gab, hat das allgemein eher trockene und warme Wetter zur Folge, dass der DWD für heute in Teilen von Berlin, dem südlichen Brandenburg, Sachsens und Ostbayerns die zweithöchste Waldbrandwarnstufe 4 herausgegeben hat; in der Lausitz herrscht gebietsweise sogar die Stufe 5!




Morgen Mittag 12z befindet sich laut GFS eine zum Tief JÖRN gehörende Blase mit unter -20°C in 500 hPa über dem Nordosten Deutschlands, die vom Skagerrak bis zum Riesengebirge reicht. Von Ostfrankreich her schiebt das Hoch ANNI dagegen, dessen antizyklonal gekrümmte Isobaren über den äußersten Nordosten Deutschlands bereits hinaus zu erkennen sind. Zwischen dem Ärmelkanal und dem nordwestlichen Ende des Kartenausschnitts bei Irland und Schottland ist bereits die Vorderseite des Tiefs KARL zu sehen.





Im 850-hPa-Niveau ist bei der pseudopotentiellen Temperatur morgen Mittag 12z auch schön die zuvor beschriebene Situation des Hochs ANNI "zwischen den Stühlen JÖRN und KARL" (nein, wir sind nicht bei einem skandinavischen Möbelhaus) nachzuvollziehen.





Hier gleiches nochmal aus Sicht des DWD in der Bodenprognose für morgen Mittag 12z.





Morgen früh muss man in Küstennähe bei Tiefstwerten um 14°C nicht frieren, aber auch im Berliner Raum (und in Leipzig) bleibt die Temperatur wohl leicht über 10°C. Die westlichen und südwestlichen Mittelgebirge Deutschlands müssen wir ja nicht tippen, und der schnelle Blick auf das MOS zeigt, dass die gezeigte Karte vor allem für Innsbruck, aber auch für Zürich höchstens bedingt tauglich ist. Die dort ansässigen Experten können und sollen sich also - wie auch für alle anderen Parameter, da meine Wetterbesprechung wie so oft auf Berlin fokussiert ist - gerne zu den Eigenheiten des Wochenendes dort äußern! :-)





Für Berlin stellt sich die spannende Frge, ob und in welcher Form morgen (v.a. am Vormittag) noch etwas von dem "Restgeplänkel" des Tiefs JÖRN als Niederschlag herunterkommt - MOS meint knallhart "trocken" (wobei das DWD-EZ-MOS als Summe trotz zweimal Null eine 0,3 anbietet). Von allen Turnierstädten dürfte wohl am ehesten Wien noch etwas (durchaus auch messbares und mit MOS zu vereinbarendes; allerings "nur" 8, keine 9) bekommen.





Bei den Wolken scheint Berlin bis zum Mittag 12z noch einiges im Programm zu haben - oder auch nicht, wenn man sich die relativ scharfe Kante ansieht, die GFS anbietet (und - schönen Gruß an die Cirren - wie üblich die hohe Bewölkung rausnimmt); es muss ja nicht gleich so eine scharfe Kante wie heute Mittag über den Nordsee sein.





Beim Wind morgen Mittag 12z erkennt man neben der antizyklonalen "Laufbahn" um das Hoch ANNI herum vor allem in Wien und Berlin einen dank des vorhandenen Gradienten ziemlich lebhaften West- bis Nordwestwind (Böen gerade in Wien - schauerunterstützt? - von 3 von 5 MOSsen freiwillig angeboten, Berlin außen vor).





Eine Karte, über die sich kaum jemand beschweren dürfte: Nicht zu kalt, nicht zu warm - also die perfekte Temperatur zu freundlichem Wochenendwetter.





Die Waldbrandgefahr wird laut Index des DWD morgen übrigens deutlich entspannter bewertet als die von heute; einzig in Teilen Bayerns, Thüringens und Baden-Württembergs reicht es gebietsweise für Stufe 3.





Am Sonntag ist mittags um 12z das Hoch ANNI schon ein ganzes Stück weiter nach Osten verschoben und liegt mit seinem Zentrum über dem westlichen Polen und Tschechien. Aus Belin aht sich soeben die 1020-hPa-Isobare in Richtung Oder verabschiedet. Das Tief KARL rückt über die Britischen Inseln näher. Zwischen beiden Druckgebilden wird entsprechend warme Luft herangeführt.





Die pseudopotentielle Temperatur in 850 hPa zeigt am Sonntag mittags um 12z ebenfalls wieder mehr Bewegung über Mitteleuropa als am Vortag, wobei man vor allem - siehe jüngste Desaster - die vor der Kaltfront (schön von Südnorwegen bis südwestlich von England sichtbar) zumindest über Südskandinavien und Nord(ost)deutschland laufende Warmfront im Hinterkopf behalten sollte.





Der DWD hat letztere immerhin bis knapp nördlich von Berlin im Programm; die Kaltfront soll demnach über der Deutschen Bucht teils leicht rückläufig sein und somit zu einer Warmfront werden.





Die Nacht zum Sonntag bringt zumindest in Berlin tendenziell noch etwas mildere Luft mit sich als 24 Stunden zuvor.





Auf der Wolkenkarte von GFS für Sonntag sind mittags um 12z zumindest in Ansätzen die besprochenen Fronten (und an der belgischen Küste und über Westfrankreich etwas an einer möglichen Konvergenz vorlaufendes?) wiederzufinden.





Der Widn sollte wohl in Stärke und Richtung v.a. in Berlin und Leipzig relativ einfach zu tippen sein; auch die (s.u.) bis Montag früh vorankommende Kaltfront sollte sich (noch) nicht in Form von (Schauer-/Gewitter-?) Böen bemerkbar machen.





Der zuvor beschriebenen Warmluftadvektion wird es aller Voraussicht nach zu verdanken sein, dass in allen Turnierstädten ein Sommertag nach meteorologischer Definition zu erwarten ist. Manche MOSse warten in Innsbruck und einmal auch in Zürich sogar mit einer "3" vorne auf.





Hier zuletzt noch der 6-stündige Niederschlag nach GFS bis Montag früh 06z, mit dem ich noch mal zeigen möchte, dass die von Nordwesten hereinkommende Kaltfront (bzw. auch vorlaufende Entwicklungen?) durchaus den RR-Tipp für Berlin (und auch Leipzig) nicht so einfach erscheinen lassen - laut MOS soll es in Berlin und Leipzig mal was nasses geben.

EDIT: Als kleine Ergänzung noch der Hinweis auf die beginnende Saison für Leuchtende Nachtwolken (NLC), wobei man sich hier [forum.meteoros.de] über Vorhersagen und aktuelle Sichtungen informieren (und diese selbst melden) kann.

Das war's von mir; ich wünsche allen ein schönes Wochenende! :-)

Viele Grüße,
Heiko.



4 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.06.17 17:28.



Thema Zugriffe Autor Datum/Zeit
Wetterbesprechung vom 9. Juni 2017 111 Heiko 09.06.17 13:58
     Re: Vielen Dank für die klasse WB! 58 Kaltlufttropfen 09.06.17 15:24
        Re: Vielen Dank für die klasse WB! 52 Heiko 10.06.17 17:26
     Gut: Sa Abend alle auf Platz 1. Schlecht: Alle 0 Punkte o.T. 51 Heiko 10.06.17 20:42
        Punkte nun drin - Danke! Bitte noch Persistenz nachtragen oT 36 Heiko 11.06.17 04:45
     12z-Synops Berlin & Leipzig 55 Thomas Barthel 11.06.17 13:31
        Noch ein kleiner Fehler bei der Windauswertung Berlin 49 Thomas Barthel 11.06.17 14:58
        Ui, Berlin nachmittags ganz schön knapp! 54 Heiko 11.06.17 19:54
           Re: Ui, Berlin nachmittags ganz schön knapp! 58 Ralf Schmidt 11.06.17 23:19
              Re: Ui, Berlin nachmittags ganz schön knapp! 54 Heiko 12.06.17 07:16
                 Werte Sonntag Berlin 56 Heiko 12.06.17 08:12
                 Re: Ui, Berlin nachmittags ganz schön knapp! 57 Kaltlufttropfen 12.06.17 14:22
                 Re: Ui, Berlin nachmittags ganz schön knapp! 61 Pfingstochse 12.06.17 20:11


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